Reiseberichte von Journalisten

Sie haben das Gespür für besondere und außergewöhnliche Geschichten: Gewappnet mit Stift, Notizbuch und Kamera reisen Journalisten für ihre Recherchen von Zeit zu Zeit mit Gebeco durch die Welt.

Voller Neugierde und Wissensdurst lassen sie sich auf ein Land ein, lernen ihre herzlichen Gastgeber und deren Kulturen kennen. Gebeco unterstützt Journalisten bei ihren Recherchen im Ausland.

Anschließend berichten sie von ihrer Reise und lassen ihre Leser an ihren ganz persönlichen Eindrücken teilhaben. Ob informativ, anregend, interessant, wissenschaftlich fundiert oder berührend: Ihre authentischen Berichte inspirieren, regen zum Nachdenken an und machen Lust aufs Reisen.

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Schwärmen für Anfänger – über die Amalfiküste

Reiseberichte Journalisten Claudia BrandauEin Reisebericht von Claudia Brandau, veröffentlicht im Juli 2016.

Die Amalfiküste bietet ungezählte Bilderbuchstädtchen und großartige Farbenpracht.

Man sollte gar nicht erst hinfahren, wenn man nicht noch monatelang davon schwärmen will. Besser ist es, keine Ahnung zu haben, wie herrlich es an der Amalfiküste ist – dann muss man sich wenigstens nicht ständig im deutschen Niesel-Fiesel-Sommer mit der Sehnsucht nach dem sonnengefluteten Land am Mittelmeer rumschlagen.Was vielleicht überzogen klingen mag, entpuppt sich als charismatisches Urlaubsziel. Der Tourist, der das erste Mal einen Fuß in die Gegend rund um Neapel setzt, kommt mächtig ins Staunen. Über die Bäume, an denen rübengroße Zitronen baumeln. Über diese Küste, deren Blau so intensiv ist, dass es schon fast in den Augen schmerzt. Und vor allem über diese niedlichen Städte, deren Häuser wie gemalt an den Hängen kleben.

Die Amalfiküste ist der Ort, an dem man das Schwärmen lernen kann. Zumindest dann, wenn man in der Vor- oder Nachsaison reist. Denn im Juli und vor allem im August, wenn in Italien wirklich alle in die Ferien fahren, wird es eng in den Gassen. Dann drängen sich Autos, Busse, Roller und Fußgänger auf der schmalen Küstenstraße und die Menschen in den Gassen der vielen Orte, von denen einer schöner als der andere zu sein scheint.

Der ganze Golf von Neapel und die Küste hin zum Bilderbuchstädtchen Amalfi sieht aus, als wäre eine Farbpalette mittenrein gekracht. Das Mittelmeer leuchtet – der Himmel meistens auch – die Boote sind weiß, die Häuschen rosa, gelb oder hellblau, die Kathedralen majestätisch: Es ist Italien wie auf einer Kitsch-Postkarte, die Touristen Mitte der 60er-Jahre nach Hause schickten. Und deren Anblick unbändiges Fernweh bei den daheim Gebliebenen auslöste.

Man kann sein Herz verhärten, wie man will: Der Charme der Gegend ist enorm. Neapel ist Großstadt und wuseliges Gassenparadies zugleich, der weithin sichtbare Vesuv ist mächtig und faszinierend, Städtchen wie Sorrent und Positano vibrieren vor Lebenslust und Inseln wie Capri und Ischia haben – Tourismus hin oder her – kaum etwas von ihrer Grandezza verloren. Wer einmal da war, will wieder hin. Die Versuchung, zum Wiederholungstäter zu werden, das Land, in dem die Zitronen blühen, nochmal und in Ruhe anzuschauen, ist groß. Goethe hatte mal wieder recht: Es lohnt sich.

Autofahren
Die Straße entlang der Amalifiküste – Amalfitana genannt – gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Doch man muss ein beherzter Autofahrer sein, wenn man sich mit dem Auto zwischen Linienbussen, Lastwagen und Vespas durchschlängeln möchte: Die Infrastruktur der kleinen Orte ist nicht für ein hohes Verkehrsaufkommen ausgelegt, Umgehungsstraßen gibt es kaum. Hinter den Städten ragt meist massiver Fels auf. Dementsprechend stressig ist auch die Parkplatzsuche. Und selbst wenn man einen findet, staunt man über Parkgebühren. Die können auch in New York kaum höher sein. Für Wohnmobile und Wohnwagengespanne ist die 40 Kilometer lange Strecke zwischen Vietri sul Mare und Positano täglich von 6.30 bis 24 Uhr gesperrt.

Die Meeresbrise vertreibt die Hitze

  • Reisezeit: Gute Reisemonate sind der September und Oktober. Dann ist es nicht mehr so voll und heiß und man hat die Muße und den Platz, um die Städtchen in Ruhe zu erkunden. Der November dagegen gilt – genau wie Februar und März – als klassischer Regenmonat.
  • Pauschal: Das Reiseunternehmen Gebeco bietet gleich mehrere Reisen in die Golfregion an. Die achttägige Reise „Höhepunkte am Golf von Neapel“ kostet 1200 Euro und bietet Ausflüge nach Capri, Ischia, Neapel, Sorrent, Pompeji und Ravello. www.gebeco.de
  • Informationen: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Barckhausstrasse 10, 60325 Frankfurt/M. T 069-237434. www.enit.de

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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Im Bann der Ketzer – über den Südwesten Frankreichs

Reiseberichte Journalisten Ekkehart EichlerEin Reisebericht von Ekkehart Eichler, veröffentlicht u.a. im Juli 2013.

Der Südwesten Frankreichs war einst die wichtigste Bastion der Katharer. Was davon blieb, sind die Schauplätze ihrer Existenz und spannende Geschichten.

„Nichts ist von ihnen geblieben. Absolut nichts. Es gibt keine Schriften. Es gibt keine Bilder. Keine Kirchen. Keine Kultgegenstände. Die Anarchisten des 12. Jahrhunderts wurden von ihren Gegnern auf Scheiterhaufen verbrannt und mit Stumpf und Stiel ausgerottet.“ Jean- Louis ist ganz aus dem Häuschen vor Begeisterung, was nicht so ganz korrespondieren will mit seiner eher beklemmenden Ouvertüre. Doch die Erklärung folgt prompt: „Und trotzdem kommen die Leute aus aller Welt in Scharen, um sich auf die Spuren dieser Menschen und ihres Glaubens zu begeben. Ist das nicht wunderbar? Willkommen also im Land und in der faszinierenden Welt der Ketzer.“

Wie ein zappeliger Harlekin tanzt der aufgedrehte Franzose über den obersten Mauerumgang von Carcassonne und dreht sich mit ausgestrecktem Arm um die eigene Achse. Im Westen zeigt sein Finger Richtung Toulouse, im Norden nach Albi. Im Osten liegt Béziers nicht weit entfernt und im Süden thronten auf steilen Felsen berühmte Bergbastionen wie Montségur und Quéribus. Allesamt Hochburgen und Zufluchtsorte des Katharismus, so wie auch die mittelalterliche Bilderbuch-Burgenstadt Carcassonne mit ihren dicken Mauern und vielen Türmen.

„Fast alles, was wir heute über die Katharer wissen, stammt aus Schriften ihrer Gegner und den Archiven der Inquisition“ fährt Jean- Louis fort und unternimmt mit uns in den nächsten anderthalb Stunden eine Zeitreise. Was überhaupt nicht schwerfällt innerhalb der tollen Kulissen von Carcassonne. Kaum jemanden würde es wundern, kämen sie hier am Burggraben um die Ecke - jene hageren, bleichen und langhaarigen Gestalten in ihren wallenden schwarzen Gewändern, die auf ihre Mitmenschen wie Wesen aus einer anderen Welt gewirkt haben müssen.

Damals, im 12. Jahrhundert, erlebte das südliche Frankreich eine kulturelle Blütezeit. Troubadoure zogen durchs Land, priesen die sittliche Hoheit der Frau als Verkörperung des Göttlichen und besangen die keusche Liebe. Die Katharer übertrugen diese Minnegesänge auf die spirituelle Ebene - für sie war das die vollkommene Welt Gottes. Das Gute also. Im Gegensatz dazu existierte die materielle Welt als Reich des Bösen mit Satan als Schöpfer alles Irdischen.

In der Absage an diese Welt waren die Katharer überaus rigoros. Die Reinen, wie sie sich nach dem griechischen Wort „katharos“ nannten und woraus die Kirche später den Begriff Ketzer ableitete, lebten in extremer Askese, strebten nicht nach Besitz und verurteilten das Geld „als Fäulnis der Seele“. Sie bekämpften jede Form von Sinnlichkeit und Sinneslust als Sünde, lehnten die Fortpflanzung ab und propagierten - wie die Troubadoure - die platonische Liebe und die Tugend der Keuschheit - nur so könne man Gott sehen.

Ihre Haltung zur Kirche war drastisch: Sie lehnten Lehren, Dogmen und Sakramente strikt ab. Sie geißelten die Institution als verdorben und verteufelten den Papst als Antichrist. Bilder- und Kreuzverehrung sowie der Bau von Kirchen waren für sie Götzendienst.

„Mit alldem hatten sie riesigen Erfolg“, meldet sich Jean-Louis wieder zu Wort, „denn im Gegensatz zur Kirche haben sie ihren Glauben wahrhaftig gelebt. Damit fanden sie glühende Anhänger nicht nur im Volk, sondern auch bei vielen adligen Männern und Frauen, die sie unterstützten oder selbst zu so genannten Vollkommenen wurden.“

Die Kirche wurmte all das gewaltig. Als verstärkter Missionseinsatz nichts fruchtete, griff sie schließlich zu Feuer und Schwert. „Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen!“ - mit dieser Parole legitimiert der päpstliche Legat im Juli 1209 die Brandschatzung von Béziers und die Ermordung seiner 20.000 Einwohner, von denen nur etwa zehn Prozent Katharer waren.

„Nach dem Massaker von Béziers kamen sie hierher“, erzählt Jean-Louis mit so viel Leid in Antlitz und Stimme, als sei er dabei gewesen. Eigentlich galt Carcassonne wegen seiner massiven Befestigung als uneinnehmbar, doch der Stadt ging das Trinkwasser aus - sie musste kapitulieren. „Hier richteten die fanatisierten Kreuzritter zwar kein Blutbad an, aber die Einwohner wurden aus der Stadt verbannt und mussten sie im bloßen Hemd und ohne ihr Hab und Gut verlassen.“

Fortan jedenfalls loderten überall im Süden die Scheiterhaufen, auf denen Katharer hingerichtet wurden. Die Überlebenden verschanzten sich im schwer zugänglichen Bergland in den Burgen der ihnen weiterhin wohlgesonnenen Fürsten. Die letzte große Schlacht fand 1244 um den Montségur statt; nach zehnmonatiger Belagerung fiel die Ikone des katharischen Glaubens. 200 Katharer weigerten sich, ihrer Religion abzuschwören und starben im Feuer.

Noch 11 Jahre länger hielt Quéribus durch. Der Aufstieg zu den Ruinen der Felsenbastion ist zwar nicht lang, aber durchaus anstrengend. Kaum vorstellbar, dass und wie sich 1255 die Truppen des Königs in voller Montur und Bewaffnung diesen nackten Felsen hinauf gequält haben, um die letzte Fluchtburg der Katharer zu erobern. Nach zehn Minuten jedenfalls kochen wir im eigenen Saft und keuchen uns die Lungen aus dem Hals. Zur Belohnung gibt’s eine fantastische Aussicht und Details zur Schlacht um die Burg.

Auch die quirlige Backsteinstadt Toulouse und das reizende Albi gehören unbedingt auf die Agenda, wenn es um die Katharer geht. Denn abgesehen von manch anderem touristisch Interessanten stehen hier imposante Bauten, in denen sich die lange Auseinandersetzung zwischen Kirche und Ketzern manifestierte. Die rote Backstein-Kathedrale Sainte-Cecile in Albi zum Beispiel, die sich wie eine Festung über der Stadt erhebt, ist ein Werk des Bischofs und Großinquisitors Bernard de Castanet, der die Feinde der Kirche im Languedoc mit besonderer Grausamkeit verfolgte. Ihr einmaliges Aussehen und ihr Charakter als Wehrkirche gehen auf diese Zeit zurück - später erhielt die Kirche den wenig gottgefälligen Beinamen „Kathedrale des Hasses“. Kein Katharer jedenfalls hat ihre Fertigstellung erlebt – der angeblich allerletzte starb 1321 auf dem Scheiterhaufen.

Noch 11 Jahre länger hielt Quéribus durch. Der Aufstieg zu den Ruinen der Felsenbastion ist zwar nicht lang, aber durchaus anstrengend. Kaum vorstellbar, dass und wie sich 1255 die Truppen des Königs in voller Montur und Bewaffnung diesen nackten Felsen hinauf gequält haben, um die letzte Fluchtburg der Katharer zu erobern. Nach zehn Minuten jedenfalls kochen wir im eigenen Saft und keuchen uns die Lungen aus dem Hals. Zur Belohnung gibt’s eine fantastische Aussicht und Details zur Schlacht um die Burg.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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Dieses Land ist magisch – über Nepal

Reiseberichte Journalisten Claudia BrandauEin Reisebericht von Claudia Brandau, veröffentlicht im Dezember 2015.

Nepal braucht nach dem Erdbeben im Frühjahr dringend Touristen – die Reise lohnt.

Einer der schönsten Orte der Welt ist für Santos Acharya der Borussia-Park in Mönchengladbach. Der 48-jährige Nepalese hat in diesem Stadion schon viele großartige Stunden verbracht. Eine Familie aus Mönchengladbach hatte den Reiseleiter vor 20 Jahren eingeladen, für ein paar Monate bei ihr zu wohnen und Deutsch zu lernen.

Santos Acharya hat diese Chance genutzt. Heute spricht er sensationell gut Deutsch, auch wenn er meint, dass es eingerostet sei: Der Reiseleiter aus Kathmandu hatte nach dem Erdbeben im April erst eine einzige deutsche Gruppe, die er durch Nepal führen konnte. „Ihr seid keine Touristen, ihr seid Unterstützer“, sagt er deshalb bei unserer Ankunft.

So wie Santos sind viele Menschen froh über die Rückkehr der Touristen, auch Monate nach dem Erdbeben herrscht an vielen Stellen Not in Nepal. Der Tourismus könnte helfen, er ist eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Wenn man in Kathmandu vor den Tempelanlagen steht, weiß man, weshalb so viele Menschen ins winzige Land am Himalaya strömten, das sich bis 1952 völlig abschottete und in den 60er-Jahren das Ziel aller Hippies war. Und wer das erste Mal diese Gebirgszüge sieht, der fragt sich, warum er um Himmels willen noch nie zuvor in diesem magischen Land war. Nepal, das ist ein Kaleidoskop: Die jahrtausendealte Kultur in Kathmandu, die wilden Nationalparks, die unfassbar hohen Gipfel der Gebirge – all das macht fast schwindelig.

Santos Acharya kennt die Begeisterung, die seine Reisenden angesichts von Baukunst und Berggipfeln befällt. Er ist ein guter Begleiter. Einer, der hilft, die fremde Welt besser zu verstehen, die vielen Eindrücke einzuordnen. Für einen solchen Ansprechpartner ist die Gruppe dankbar: „Können wir Dir etwas Gutes tun?“ Ja, sagt Santos. „Kommt wieder. Und bringt mir ein Borussia-T-Shirt mit.“ Alle nicken. Gerne. Sehr sehr gerne.

Neustart nach dem Erdbeben

Im Frühling 2015 wurde die Himalaya-Region von einem Erdbeben erschüttert. Die Folgen waren für Nepal fatal: Tausende Menschen starben, ungezählte Tempel, Häuser, Straßen wurden beschädigt. Der Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, kam zum Erliegen.

Der Kieler Reiseveranstalter und Länderexperte Gebeco gehörte im Oktober zu den ersten Agenturen, die wieder Touren durchführten. Auch in 2016 bietet Gebeco viele Wander- und Erlebnisreisen in den Städten, Gebirgen und Nationalparks an. Zu Recht: Nepal ist eines der spannendsten Länder am Himalaya.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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  • Wanderungen auf 1.000 bis 2.000 Metern
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Kasbahs, Schluchten und Oasen – über den Süden Marokkos

Reiseberichte Journalisten Ekkehart EichlerEin Reisebericht von Ekkehart Eichler, veröffentlicht u.a. im Oktober 2013.

Der Südosten Marokkos ist landschaftlich wie kulturell eine Offenbarung.

„Hier wachsen Datteln, Aprikosen, Oliven, Mandeln, Feigen, Trauben und Granatäpfel“, zählt Moulay auf, nur das Wort „Maulbeerbaum“ will ihm partout nicht stolperfrei über die Lippen kommen. Macht aber nichts: Mit schallendem Gelächter untermalt er seine gelegentlichen putzigen Abstecher ins Deutsche und empfängt dafür zu recht Lob und Beifall seiner Gäste. Der quirlige Berber führt uns durch die Oase von Tinerhir. Eine der größten im Süden Marokkos und eine der schönsten dazu: Das dunkelgrüne Band von Abertausenden Dattelpalmenwipfeln kontrastiert ausgesprochen malerisch mit den rostroten schroffen Felsen in seinem Rücken.

Schon die puren statistischen Daten nötigen Respekt ab - die Oase ist 24 Kilometer lang und versorgt 30.000 Familien mit Obst, Gemüse, Getreide, Tee, Gewürzen sowie Holz und Palmwedeln als Bau- und Brennstoff. Doch wie sich das konkret gestaltet, mit welch Fleiß und Erfindungsreichtum die Bauern jeden Tropfen Wasser nutzen, um dem extremen Umfeld ihre Lebensgrundlagen abzuringen, bringt uns immer wieder zum Staunen.

Nur einmal trübt sich Moulays blendende Laune auf diesem ebenso lehrreichen wie amüsanten Spaziergang. Als wir am Wegrand auf teils verrottete, teils abgefackelte Palmstämme stoßen, erzählt er von der mysteriösen Krankheit, die Bäume in ganz Nordafrika befallen und auch um Tinerhir keinen Bogen gemacht habe. Eine echte Katastrophe, „denn für uns ist die Dattel so lebenswichtig wie für Euch Europäer Kartoffeln oder Brot.“ Und um Allah zu beschwören, den Fluch zu bannen, hebt er plötzlich die Hände und spricht magische Formeln in den wolkenlosen Himmel. Sein Glaube wird Berge versetzen, so hoffen wir. Inschallah!

Zauber - diesmal für die Augen - ist im Spiel, wenn es um den Fluss Todra geht, der übrigens das Oasenwunder erst möglich macht. Er entspringt im Hohen Atlas und sprudelt in großen Schleifen durch imposante Berge, die sich kurz vor Tinerhir dramatisch verengen. Hier fallen die 300 Meter hohen Steilwände beinahe senkrecht ab, und der schmalste Durchgang misst gerade mal 10 Meter. Eine umwerfende Landschaft, in der man sogar übernachten kann - zwei einfache Hotels machen´s möglich.

Nur zwanzig Kilometer weiter lockt schon die nächste spektakuläre Schlucht. Diesmal ist es der Dades, der sich ein grandioses, wild zerklüftetes Flussbett durch steinerne Märchenkulissen gefräst hat. Auch hier sprenkeln Oasenfelder mit saftigem Grün und Obstbäume mit pastellfarbenen Blüten leuchtende Tupfer ins nackte Braun der Berge. Und für gesteigerten optischen Reiz sorgen prächtige Kasbahs und dekorative Kasbah-Ruinen, deren eingefallene Türme wie Zahnstummel gen Himmel ragen.

In den nächsten zwei Tagen werden diese für den Süden Marokkos so typischen Lehmbauten unsere ständigen Begleiter sein. Allein im Dades-Tal soll es tausend Kasbahs geben, und auch wenn diese Zahl eher des touristischen Slogans wegen publiziert wird und auch typologisch längst nicht alles Kasbah ist, was für uns wie Kasbah aussieht, wir haben längst aufgehört zu zählen, was da links und rechts an Flussufern oder Berghängen lehmfarben emporwächst und genau jene unglaubliche Exotik entfaltet, die man von Marokko erhofft.

Majoub, unser stets freundlicher, umsichtiger und allwissender Fahrer, setzt noch einen drauf. Er kennt auch Perlen abseits der touristischen Trampelpfade und führt uns so zum Beispiel zum behutsam renovierten Kasbah-Schmuckstück von Amridil in der Oase Skouna und dem nicht minder trutzigen Bauwerk von Tifoultoute in Ouarzazate.

Hauptattraktion dieses boomenden Wirtschafts- und Tourismuszentrums ist - natürlich wieder eine Kasbah. Der wuchtige und verschachtelte Wohnburg-Komplex von Taourirt war einst Residenz des berühmt-berüchtigten Berberfürsten El Glaoui. Dieser kontrollierte alle Pass-Straßen, unterwarf rücksichtslos andere Berber-Klans, zwang Oasenbauern zu Tributen und etablierte ein Feudalreich, das bis 1956 bestand. Dann brach ein geplanter Sturz des Sultans den bis dato allmächtigen Glaoui das Genick - und ihr gesamter Besitz wurde enteignet.

Ein weiterer Höhepunkt jeder Marokko-Reise liegt eine halbe Stunde nördlich von Ouarzazate: Ait Benhaddou, das berühmteste aller südmarokkanischen Stampflehmdörfer, das mit seinen Türmen, Zinnen und teils schießschartengroßen Fensteröffnungen wie eine uneinnehmbare Festung wirkt und seit 1987 zum UNESCO-Welterbe gehört.

Schon die Lage ist überaus malerisch. In der Ferne verschmelzen die schneebedeckten Viertausender des Hohen Atlas mit dem blassblauen Himmel. Davor eine surreale Ödnis, in die sich das rotbraune Dorf, umgeben von Obstgärten und kleinen Feldern, so harmonisch an den steilen Hang schmiegt, als sei es von Natur aus entstanden.

Kein Wunder, dass Ait Benhaddou mit diesem Flair vor vielen Jahren schon ins Fadenkreuz einer speziellen Industrie geriet. Hollywood drehte schier durch vor Begeisterung und, ungeachtet extremer klimatischer Bedingungen und heftiger logistischer Probleme, einen Monumentalschinken nach dem anderen.

Der alte Youssuf war bei jedem am Set dabei und zählt wie aus der Pistole geschossen auf: 1961 „Lawrence von Arabien“, womit für Omar Sharif die internationale Karriere begann. Ein Jahr später „Sodom und Gomorrha“ unter der Regie von Robert Aldrich. Martin Scorsese drehte hier 1988 Szenen des umstrittenen Films „Die letzte Versuchung“. Steven Spielberg ließ für „Die Jagd nach dem Juwel vom Nil“ Michael Douglas mit einem Jet durch ein riesiges Tor düsen, dass täuschend echt vor die originale Kulisse gebaut wurde und heute noch so aussieht, als habe es schon immer dazugehört. Und natürlich erinnert sich der alte Mann noch bestens an den Sklavenmarkt und die Kampfszenen aus „Gladiator“, als Protagonist Russell Crowe erstmals in die Arena muss - zum Kampf auf Leben und Tod.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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Magisches Mexiko

Reiseberichte Journalisten Ekkehart EichlerEin Reisebericht von Ekkehart Eichler, veröffentlicht u.a. im April 2015.

Präkolumbianische Kultstätten, koloniale Grandezza und umwerfende Naturkulissen – die südlichen Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas bündeln Mexiko wie im Brennglas.

Seltsam sehen sie aus, diese Figuren auf den steinernen Reliefplatten von Monte Albán. Denn negroid wulstige Lippen, knubbelige Nasen, schwere Augenlider und manchmal sogar Bärte entsprechen so ganz und gar nicht dem gängigen Bild der vorkolonialen Bewohner Mexikos. Überdies sind die Gestalten dargestellt in eigentümlich verrenkten Posen, die gemeinhin als Tanz interpretiert werden. Es könnte sich aber auch um Opfer oder gar Tote handeln – ganz sicher sind sich die Experten nicht. Wie bei so vielem, wenn es um die uralte und noch immer rätselhafte Hochkultur der Zapoteken geht.

Völlig klar aber ist: Monte Albán ist eine der ältesten, bedeutendsten und in ihrer symmetrischen Harmonie zweifelsfrei auch schönsten Kultstätten Mesoamerikas. Reichlich tausend Jahre, bevor Hernán Cortés dem Reich der Azteken mit List, Tücke und Donnerbüchsen den Garaus machte, kappten die grandiosen Zapoteken-Baumeister zunächst die komplette Kuppe des „Weißen Berges“ und bauten auf dem nun platten Plateau über den Wolken ein prächtiges Zeremonialzentrum. Mit Pyramiden, Tempeln und Palästen für ihre Götter, Könige und Priester. Zur Blütezeit der Stadt – zwischen 500 und 800 n. Chr. – lebten 25.000 Menschen in der luftigen Höhe von Monte Albán. Und das, obwohl jeder Tropfen Wasser mühselig in Krügen den Berg hinauf geschleppt werden musste.

Ganze 12 Kilometer sind es von dieser Top-Attraktion mit der tollen Aussicht bis nach Oaxaca, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Eine urbane Perle, deren spezieller Charme in der Mischung aus indianischen Traditionen und kolonialer Pracht besteht. Ein ganzjährig frühlingshaftes Klima und eine im Vergleich zu anderen mexikanischen Städten beschauliche Gangart des Lebens steigern zusätzlich die Attraktivität der Stadt.

Ihre Besucher sollten sich deshalb durchaus ein paar Tage Zeit nehmen: für Monte Albán und Mitla, die Totenstadt der Mixteken mit ihren irren geometrischen Ornamenten. Für Bilderbuch-Kirchen wie La Soledad und Santo Domingo, die zu den bedeutendsten ganz Mexikos zählen. Für den Mixtekenschatz aus einem Grab auf dem Monte Albán mit Exponaten aus Gold, Silber und Jade. Für Benito Juárez, den großen Zapoteken-Sohn der Stadt, der Mitte des 19. Jahrhunderts als bisher einziger Indio Präsident wurde und als mexikanischer Abraham Lincoln höchste Wertschätzung genießt.

Und nicht zuletzt natürlich für die Atmosphäre. Denn selbstverständlich brodelt auch in Oaxaca das Leben mit einer für Mitteleuropäer ungewohnten Lautstärke und Energie. Vor allem abends, wenn sich alle Welt am Zócalo trifft, dem zentralen Platz jeder hiesigen Stadt. Von schmiedeeisernen Bänken unter mächtigen Lorbeerbäumen und aus Straßencafés unter den umliegenden Arkadengängen lässt sich dann das bunte Gewusel perfekt beobachten: Straßenhändler, Garköche, Schuhputzer, Artisten, Tänzer und Musikkapellen, die auf der Rundbühne ihre Schmachtfetzen in den lauen Himmel tröten, sorgen für eine unbeschwerte, heitere Stimmung bis tief in die Nacht.

Eine Tagesreise weiter gen Osten zeigt der Bundesstaat Chiapas zunächst ein landschaftlich spektakuläres Gesicht: den Sumidero-Cañon. Eine Schlucht, tief ausgefräst vom Rio Grijalva, der – von mehreren Staumauern gebändigt – nicht nur jede Menge Strom liefert, sondern auch ein touristisches Erlebnis der Extraklasse.

Mit schnittigen Wasserflitzern nämlich geht es auf Spritz-Tour durch eine Welt extrem steiler Felswände, die bis zu tausend Meter hoch aufragen und bisweilen dramatisch in den Fluss zu stürzen drohen. Alte Geschichten erzählen, dass einst manch von den Spaniern in die Enge getriebene Indianer der Versklavung oder dem grausamen Tod ein blitzschnelles Ende vorzog – durch den Sprung in die schier bodenlose Tiefe.

Doch nicht nur damit punktet der Cañon. Raubvögel ziehen hier ungestört ihre Kreise. Leguane dösen in Bäumen. Spinnenäffchen turnen durchs Geäst. Ein Krokodil tankt Sonne auf einem Felsen. Pelikane hängen auf Zweigen ab. Reiher über Starten und Landen. Sumidero ist auch ein paradiesischer Lebensraum mit neuen Überraschungen nach jeder Flussbiegung.

Über San Cristóbal de las Casas, die ebenfalls sehr sehenswerte Hauptstadt von Chiapas geht es schließlich nach Palenque – zum größten kulturellen Schatz des Bundesstaates und einem absoluten Höhepunkt jeder Mexiko-Reise. Denn was dort in heißem und feuchtem Dschungel unter Urwaldriesen einst entstand, dann in fast tausendjährigem Dornröschenschlaf komplett überwucherte, kurz vor 1800 wiederentdeckt, seit 1940 systematisch erforscht und bis heute zu gerade mal zehn Prozent wieder freigelegt wurde, strahlt eine Faszination aus, der sich kaum jemand entziehen kann.

Palenque – das ist nicht mehr und nicht weniger als das größte und beeindruckendste Zeremonialzentrum der Maya in Mexiko. Die heute erhaltene Anlage entstand ab 642 n. Chr. unter Herrschaft des Priesterkönigs Pakal, der unfassbare 68 Jahre regierte und 683 starb. Sein Grab mit Sarkophag und prächtigen Beigaben wurde 1952 im Tempel der Inschriften entdeckt, einer Stufenpyramide, die sich auf acht Plattformen bis auf imposante 21 Meter in die Höhe streckt.

Das zweite dominierende Bauwerk ist Pakals Palast – eine prachtvolle Residenz mit Innenhöfen, Säulengängen, Passagen, Tunneln, Treppen, Terrassen und überragt von einem vierstöckigen, quadratischen Turm – so etwas gibt es nirgendwo sonst in der Maya-Architektur. Aber nicht nur die Baumeister, auch die Künstler von Palenque hatten allerhand zu tun, denn die gesamte Metropole war seinerzeit über und über mit Stuck verziert und in lebhaften Farben bemalt – vor dem Hintergrund des dunkelgrünen Regenwaldes muss das ein noch aufregenderer Anblick gewesen sein als Palenques majestätische Ruinen für die Besucher von heute.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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Burgen, Berge, Beduinen – über das Sultanat Oman

Reiseberichte Journalisten Ekkehart EichlerEin Reisebericht von Ekkehart Eichler, veröffentlicht u.a. im Januar 2015.

Als landschaftlich wie kulturell faszinierendes Reiseziel hat sich das Sultanat Oman erfolgreich auf der touristischen Weltkarte etabliert.

Qaboos ist überall. Ob in quirligen Souks oder winzigen Supermärkten, ob in pompösen Hotelfoyers oder schlichten Restaurants – omnipräsent lächelt der freundliche Mann mit dem sorgfältig gestutzten silbrigen Bart und dem traditionellen omanischen Kopfschmuck seinen Landsleuten zu. Das Besondere daran: Qaboos regiert mit absoluter Macht und genießt dennoch ein unvorstellbares Maß an Beliebtheit, Verehrung und Popularität.

Was nämlich der Sultan in vierzig Jahren Regentschaft für den Oman geleistet hat, ist ohne Beispiel in der arabischen Welt. Als er 1971 seinen Vater unblutig aus Amt und Palast putschte, war das Land ein bettelarmer isolierter Feudalstaat. Heute verbinden mehrspurige Nationalstraßen entfernteste Bergregionen, verfügt selbst das kleinste Dorf über eine Schule, erhalten alle Bürger kostenlose medizinische Versorgung in bestens ausgestatteten Krankenhäusern. Und viele andere Sozialleistungen mehr.

Den Oman in ein modernes Land mit Wohlstand für alle zu verwandeln und dabei keineswegs die Traditionen aus dem Auge zu verlieren, ist ein weiteres Verdienst des Landesvaters. Beispielhaft etwa die aufwändige Restaurierung diverser Burgen, Forts und Wachtürme, von denen es im Nord-Oman geradezu wimmelt.

Nakhal zum Beispiel. Eine Stunde westlich der Hauptstadt Muscat thront inmitten einer üppigen Oase am Fuß des Hajar-Gebirges die mächtige Festung mit sechs Wehrtürmen, deren Ursprünge mehr als eintausend Jahre zurückreichen. Vollständig und vorbildlich restauriert, erstaunt die wuchtige Anlage nicht nur durch ihre Trutzhaftigkeit; sie gehört auch zu den wenigen Forts im Oman, deren Räume möbliert und mit Exponaten wie traditionellen Küchengerätschaften und Waffen ausgestattet sind.

Ein herausragendes Beispiel für die ganze Pracht moderner islamischer Baukunst repräsentiert die Sultan Qaboos Grand Moschee in Muscat. Das imposanteste und einzige Gotteshaus im Oman, das auch Nichtmuslime betreten dürfen, bietet Platz für 20.000 Gläubige und steckt voller Superlative. Fünf Minarette etwa symbolisieren die fünf Säulen des Islam. Der Kuppel-Kronleuchter ist ein 15 Meter hohes und acht Tonnen schweres Unikat aus Svarovski-Kristall. Und der 4.263 Quadratmeter riesige Teppich – ein Meisterwerk persischer Webkunst – zählt zu den größten der Welt.

Frappierend ist aber auch die Freundlichkeit des Omani im kleinen Moschee-Infocenter. Erst serviert er Datteln und Kaffee, dann folgt ein entspanntes Gespräch über Sultan, Islam, Koran und Oman generell. Und sogar gegen ein Abschiedsfoto hat er nichts einzuwenden – so eine Chance auf ein schönes Porträt bekommt man im Oman nicht immer so schnell.

Manche seiner Schätze gibt das Land aber auch nicht so leicht preis. Eben noch auf schnurgerader Autobahn unterwegs, rumpeln wir jetzt über rauen Schotter durch wilde Kulissen. Guide Rachim und sein Jeep zeigen, was in ihnen steckt, und zur Belohnung gibt´s eine dicke Überraschung. Im Wadi Arbayeen nämlich strahlt eine ganze Kette von Naturpools in verschiedenen Grün- und Blautönen um die Wette – ein entzückender Kontrast zu den schroffen Bergen drum herum. Zauberhafte Plätzchen zudem für ein erfrischendes Bad und ein ausgiebiges Picknick unterm Schattendach der Dattelpalmen.

Auch im Wadi Bani Khalid tanzen hauchzarte Libellen über glasklares Wasser, sonnen sich blaue Echsen auf heißen Steinen, betteln langhaarige Ziegen um ein paar Bröckchen Futter – auch diese natürliche Poollandschaft ist ein perfektes Idyll. Zumal hier unter der Woche so gut wie kein Betrieb herrscht. „Freitags sieht das ganz anders aus, dann kommen die omanischen Familien in Scharen zum Picknick und Baden“, erzählt der Bademeister, der sich heute mit dem Herausrupfen von Grünpflanzen die Zeit vertreibt.

Auch für die Wüstenlandschaft der Wahiba Sands bleibt der Land Cruiser obligatorisch. Rachim „schwimmt“ mit uns durch den rot-gelben Sand und hat sichtlich Spaß dabei. Düne rauf mit Vollgas und Düne wieder runter, stundenlang könne er das am Stück, überkräht er fröhlich den Motorenlärm - bei einigen Passagieren hält sich dieses Vergnügen in überschaubaren Grenzen.

Nach dem Nervenkitzel der Dünen-Achterbahn jedenfalls landen wir in einer friedfertigen und blitzsauberen Palmstroh-Hütte, die mit großen Teppichen ausgelegt und mit bunten Sitzkissen möbliert ist – eine alteingesessene Beduinenfamilie verwöhnt hier ihre Gäste mit Kaffee, Datteln und der nationalen Süßspeise Halva.

Wie bei omanischen Beduinen üblich, trägt die Herrin des Hauses eine schnabelartige Gesichtsmaske, mit der sie Batwoman nicht unähnlich sieht. Wären da nicht die mit Henna bemalten Hände und Füße und eine ausladende Leibesfülle unter dem knallblauen Gewand: Das hiesige Weiblichkeitsideal weicht diametral ab von westlichen Schönheitsmustern.

Auch die Mädels im Hof sind nicht ohne. Zwei Kameldamen nebst Baby haben sich in uns verguckt und schäkern wie verrückt in der Hoffnung auf den einen oder anderen Leckerbissen. Ein paar Äpfel und etwas Brot steigern diese Liebe ins Unendliche, der Abschied von den verfressenen Biestern und ihren ulkigen Physiognomien fällt wirklich nicht leicht.

Die Schatzkammer Oman hat aber noch wesentlich mehr Perlen im Kollier: Gigantische Oasen mit Abertausenden von Dattelpalmen und ausgeklügelten Bewässerungssystemen. Bizarre Berglandschaften mit Ruinenstädten und verlassenen Lehmdörfern. Das religiöse Zentrum Nizwa mit seinem einmaligen kreisrunden Fort sowie dem Silberschmuck- und Antiquitäten-Souk. Die Palastfestung von Jabrin mit prachtvollen Holzdecken und kalligraphischen Wanddekorationen. Die Hafenstadt Sur mit rustikalem Leuchtturm und traditionellen Dhauwerften. Und nicht zuletzt das Weihrauchland im Süden rund um die zweitgrößte Stadt Salalah. Alles in allem Programm genug für eine gut ausgefüllte Woche im Reich des einzigartigen Sultans Qaboos.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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Moscheen, Medresen, Minarette – über die Oasenstädte Usbekistans

Reiseberichte Journalisten Ekkehart EichlerEin Reisebericht von Ekkehart Eichler, veröffentlicht u.a. im Februar 2014.

Chiwa, Buchara und Samarkand sind Usbekistans glänzendste Schmuckstücke.

Ein Mann sitzt vor dem Westtor von Chiwa. In langem Gewand, mit Turban, spitzem Bart und einem Dokument in der Hand sinniert er in überlebensgroßer Bronze über Gott und die Welt. So wie er es Zeit seines Lebens im 9. Jahrhundert getan hat. Mit bis heute überaus bedeutsamen Folgen für die Menschheit.

Zum einen nämlich führte der Mathematiker, Astronom und Geograph Muhamad Ibn al-Charizmi die indischen Ziffern inklusive der Null in seinen Kulturkreis ein, von wo aus die dann arabisch genannten Ziffern ihren Siegeszug durch ganz Europa und in alle modernen Zahlensysteme antraten. Zum zweiten war al-Charizmi nichts weniger ist als der geniale „Vater“ der Algebra und des Algorithmus - wie übrigens auch sein Name verrät.

Der Universalgelehrte stammte aus Choresmien. Einer großen Oase im heutigen Nordwesten Usbekistans, deren Hauptstadt Chiwa vom Handel an der Seidenstraße profitierte und heutzutage eines der schimmerndsten Schmuckstücke im usbekischen Schatzkästlein ist. Ein Freilichtmuseum par excellence, dessen erstklassig aufgehübschtes Antlitz überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Auf vergleichsweise engem Raum buhlen in Chiwas belebter Altstadt hinter dem wulstigen Mauerring eine Festung, mehrere Moscheen und Mausoleen, zwei Paläste, jede Menge Medresen und eine Karawanserei um die Aufmerksamkeit der Besucher, die sich gut und gern einen Tag lang verführen lassen sollten vom Zauber des Ensembles und seiner Einzelstücke.

Zum Beispiel Kalta Minor, das unvollendete bzw. kurze Minarett. Besonders auffällig wegen des dicken Turmstumpfes und seines Kachelschmucks: Weil es ursprünglich alle anderen Minarette im muslimischen Osten in den Schatten stellen sollte, überzogen es die Architekten mit einem geschlossenen Ornamentgürtel aus blauen, türkisfarbenen, grünen und weißen Fliesen. Fantastisch!

Oder die Zitadelle, in der die Chane von Chiwa offiziell residierten. Hier ließen sie Münzen prägen und gaben Seidenscheine heraus, die bei Bedarf sogar gewaschen werden konnten - „Geldwäsche“ mal in des Wortes reinster Bedeutung und folglich ohne verruchten Beigeschmack.

Viele Wände sind hier wie mit Tapeten komplett verkleidet mit chiwatypischen Majoliken - hellblaue geometrische und florale Ornamente auf dunklem Untergrund. Über deren Feinheiten wissen die Profis Bescheid. „Vergleichen Sie einmal Thronsaal und Sommermoschee“, geht etwa Stadtführer Jurabek ins Detail. „Im Saal dominieren unruhige Muster, weil der Chan, der hier auch Gericht hielt, partout nicht einschlafen durfte. In der Moschee hingegen strahlen die Ornamente Ruhe und Harmonie aus - hier konnte der Herrscher gern mal ein Nickerchen machen.“ Hübsche Geschichte!

„Wie baut man eigentlich ein Minarett?“, wurde Nasreddin Hodscha einst gefragt. „Nun, das ist ganz einfach“, erwiderte der orientalische Eulenspiegel: „Man bohrt einen Brunnen, und dann dreht man das Ganze einfach um.“ Das bronzene Abbild des Schalks mit seinem Esel dürfte das populärste Fotomotiv in Buchara sein. Obwohl die Konkurrenz geradezu übermächtig ist. An Anzahl wie an Qualität.

Für Bucharas Wahrzeichen etwa hätte man nach Nasreddins Version im 12. Jahrhundert verdammt lange und tief buddeln müssen: Das Kalon-Minarett ist der Traum von einem orientalischen Turm. 46 Meter hoch sowie über und über mit Ziegelmauermustern dekoriert, ziert es die gleichnamige Riesenmoschee im Zentrum des mittelalterlichen Buchara.

Die Perle an der Seidenstraße mit ihren blau schimmernden Kuppeln und glänzenden Fassaden ist aber auch berühmt für ihre bildschönen Medresen: Die Ulug´bek-Medrese zum Beispiel hat eine reichgeschmückte Hauptfront. Die Medrese Abdelaziz Chan vis-a-vis entzückt mit Märchenlandschaften im Portalmosaik, die an indische Miniaturen der Mogulzeit erinnern. Die Medrese Devon Begi bezaubert mit Paradiesvögeln über dem Portalbogen. Die Mini-Arab-Medrese wiederum komplettiert allerliebst das Kalon-Ensemble und kann als einzige nur von außen bestaunt werden – sie dient wie einst und übrigens auch zur Sowjetzeit noch heute als islamisch-geistliche Lehranstalt.

Ein Komplex aus drei Medresen hat sich sogar zu Usbekistans nationalem Symbol und zum UNESCO-Weltkulturerbe aufgeschwungen. Er thront auf dem Registan in Samarkand und darf mit Fug und Recht als Spitzenklasse-Hingucker bezeichnet werden. Als nobelsten öffentlichen Platz der Welt haben entzückte Schwärmer den Registan immer wieder gepriesen, und da ist wirklich was dran: Für einen vergleichbar überwältigenden Eindruck müssten sich auf einem europäischen Platz drei Kathedralen gegenüberstehen. Vollkommen frei und ohne Häuser drum herum.

Die älteste der drei ehemaligen Islam-Hochschulen wurde um 1420 von Ulug´bek errichtet, dem Enkel des berüchtigten Timur. Anders als sein grausamer Großvater beschäftigte sich der hochgebildete Mann mit den Wissenschaften, allen voran der Astronomie. Passend dazu wurde „seine“ Medrese mit Sternenmotiven übersät.

Die Sherdor-Medrese genau gegenüber entstand gut zwei Jahrhunderte später fast als Spiegelbild. Zumindest in der Form von Fassade und Minaretten. Einmalig hingegen sind die tigerartigen Löwen auf dem Portal, die im Bauch die Sonne tragen und weiße Antilopen jagen. Wie auch in Buchara streng genommen ein Widerspruch zum islamischen Bilderverbot, doch auch dafür haben die hiesigen Fachleute plausible Erklärungen in petto.

Ein echtes Goldstück vollendet das umwerfende Panorama - die als Schule und Moschee zuletzt erbaute Tillakori-Medrese. Die „Goldbedeckte“ verdankt ihren Namen der im Hof gelegenen Moschee, deren Innenraum fast komplett mit dem edlen Metall überzogen wurde. Ein glänzender Abschluss - im doppelten Sinn.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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Namaste Nepal – über Wandern in Nepal

Ein Reisebericht von Joseph Scheppach, noch nicht veröffentlicht.

Vor dem Landeanflug taucht die Kette der schnee- und eisbedeckten Gipfel des Himalaya auf. Kathmandu – wir kommen!

Sobald wir den Flughafen verlassen und von unserem freundlichen Guide im Empfang genommen werden, finden wir uns in einem Wirrwarr aus fremden Eindrücken, Gerüchen und Hupkonzerten wieder. Der chaotisch wuselnde Verkehr auf den größeren Straßen scheint undurchdringlich. Zwischen hupenden Autos quetschen sich Moped- und Fahrradfahrer. Mädchen in dunkelblauer Schuluniform, die Haare artig mit roten Schleifen zu Schaukeln geflochten, überqueren todesmutig die Straße. Am Straßenrand laden junge Männer von Lastwagen ab, was aus anderen Landesteilen und aus Indien herangebracht wurde: Kartoffeln und Stoffballen, Reis und Stereoanlagen. Das winzige Himalaya-Königreich liegt wie ein dünnes Laken zwischen den dicken Brüdern Indien und China.

Angekommen im luxuriösen Hotel stürzen sich die ersten gleich in den Swimmingpool. Andere schlürfen Tee im Garten, wo ein grüner Papagei von Mangobaum zu Limettenbusch springt.

Erstes Ziel am nächsten Tag ist Kathmandus Altstadt. Die Spuren des Erdbebens sind deutlich zu sehen und zu spüren. Eingestürzte Mauern, beschädigte Straßen und Gehwege, tiefe Risse in Häusern und zum Teil auch eingestürzte Häuser. Das Ausmaß der Zerstörung ist jedoch nicht so groß wie viele wohl erwarten. Das Leben nimmt seinen Gang. Die Straßen sind voller Menschen, die Märkte und Geschäfte sind in Betrieb. Betritt man einen Laden, legt der Besitzer die Hände vor die Brust und sagt: „Namaste!“ (Ich grüße den Gott in dir!) Man erwidert die Begrüßung mit einer spiegelgleichen Verbeugung.

Durch enge Gassen erreichen wir den Durbar Square, das historische Herz von Kathmandu, auf dem auch der Palast der Könige steht. Mehr als 50 Pagoden und Tempel säumen den Platz. Der Eintritt auf den autofreien Platz, der Mitte der 1970er Jahre von der UNESCO restauriert wurde, kostet 200 Rupien.

Eine Statue des Affengottes, der von den alten Kriegern verehrt wurde, bewacht den Eingang des Palastes. Zum Gebetsritual gehört es, die Statue mehrfach gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Das Goldene Tor gegenüber ist der Eingang zum alten Palast und wird von zwei weißen Löwen aus Stein flankiert. Auf den Löwen reiten die Götter Shiva und Parvati. In der Mitte des Tores, das aus Messing gefertigt ist, werden Szenen aus dem hinduistischen Epos Mahabharata dargestellt. Unmittelbar hinter dem Tor steht die Narasinha-Statue. Sie stellt den Gott Vishnu in Gestalt eines Löwenmenschen im Kampf gegen einen Dämonen dar. Die Wohngebäude der Malla-Könige befinden sich nördlich des Tanz-Hofes. Wir als Ausländer haben in diesen Teil des Palastes allerdings keinen Zutritt. Ebenfalls verschlossen ist der Mul Chowk. Einst wurden dort Tieropfer dargebracht, heute dient er für religiöse Feierlichkeiten und Staatsakte. Der 35 Meter hohe Taleju-Tempel überragt die anderen Gebäude des Komplexes. Die Malla-Könige huldigten hier der Göttin Kali, die wegen ihrer Blutrünstigkeit gefürchtet wird.

Die Macht der Vergangenheit umhüllt mich. Ich setze mich vor eine Statue und beginne einen stummen Dialog mit ihr, starre in die Augen gemalter Dämonen, fahre mit den Fingern über glattgeschliffene Holztüren und will gar nicht mehr weiter.

Aber am westlichen Tor, das in den Hof des Machhendranath Tempels führt, lockt der Markt mit seinem bunten Treiben. Auf dem Töpfermarkt stapeln sich mannshoch Gefäße, Schüsseln, Figuren und symbolträchtige Tiere. Vor uns schwebt ein Doppelbett, gefolgt von einem mächtigen Kleiderschrank und einer kompletten Sofagarnitur mit zwei wuchtigen Sesseln. Dünne, sehnenharte Männerbeine lugen unter Sofa und Bett hervor.

Am nächsten Tag geht es in die ehemalige Königsstadt Patan mit dem herausragenden Königspalast aus dem 17. Jahrhundert. Der Goldene Tempel mit seinem vergoldeten Eingang gilt als schönster und bedeutendster Tempel Patans. 365 Stufen führen hinauf zum Heiligtum Swayambunath. Von hier aus genießen wir einen faszinierenden Rundblick über das Kathmandu-Tal – und die Berge.

Die Götter leben auf den Bergen, glauben die Nepalesen. Acht der 14 Achttausender der Welt stehen in Nepal. Und drei davon nun vor uns: der majestätische Annapurna, 'die Nahrung spendende Göttin', der schneebedeckte Manaslu, 'Sitz der Seele Gottes', und der einsame Dhaulagiri, der 'weiße Berg'.

Die Stupa Svayambhunath ist eines der ältesten buddhistischen Heiligtümer im Kathmandu-Tal. Die Augen Buddhas, die auf allen vier Seiten der Statue am Stupaturm gemalt sind, schauen in alle vier Himmelsrichtungen über Kathmandu hinweg. Girlanden mit unzähligen bunten tibetischen Gebetsfähnchen flattern ringsum in der leichten Brise. Über diesem imposanten Bauwerk wölbt sich ein blauer Himmel, an dem gewaltige weiße Wolkenberge aufzusteigen beginnen. Welch ein faszinierender Anblick und welch eine mystische Stimmung. Die Luft ist erfüllt vom dumpfen, immer wiederkehrenden Mantra Dutzender betender Buddhisten „Om mani padme hum" ("Oh Du Juwel in der Lotosblüte"). Im Uhrzeigersinn umkreisen sie das Bauwerk. Leise knattern die Gebetsmühlen. Ich atme Räucherstäbchenduft, lausche den Gongschlägen und sehe den Schatten der Wolken hinterher, die an den Flanken der Stupa entlanggleiten.

Der nächste Ausflug führt in die rund 30 km entfernte ehemalige Königsstadt Bhaktapur. Tempel und Pagoden mit prächtigen Holzschnitzereien präsentieren sich mitten im Alltagsleben. Ziegen, Hühner und Truthähne, Früchte und Gemüse sowie Frauen beim Reisstrohdreschen bilden eine bunte Kulisse.

In Bodnath befindet sich das tibetische Zentrum der Hauptstadt mit seiner zentralen Stupa. Sie ist neben Swayambhunath das wichtigste Heiligtum des Buddhismus in Nepal. Ein Durchmesser von 40 Metern und eine Höhe von 36 Metern machen den Stupa außerdem zu einem der größten Heiligtümer des Buddhismus weltweit. 1959 entstand nach der Flucht des Dalai Lama aus Tibet hier ein neues Glaubenszentrum für den tibetischen Buddhismus.

An den unteren Stufen werden mannshohe Gebetsmühlen von den Gläubigen gedreht. Sie sind dabei in tiefer Andacht versunken, eine wirklich sehr spirituelle Szenerie.

Als letzter Programmpunkt erwartet uns das hinduistische Heiligtum Pashupatinath mit seinen Verbrennungsstätten am Bagmati-Fluss. Auf dem Weg halbnackte Sahus, die um ein paar Münzen betteln. In den Bäumen hinter uns schnattern Affen. Süßlicher Rauch erfüllt die Luft am südlichen Teil, dem Ram Ghats, der von allen Kasten für die Verbrennungs-Zeremonien genutzt wird.

Wer am Bagmati-Fluss verbrannt und dessen Asche dann in den Fluss gestreut wird, darf auf eine gute Wiedergeburt hoffen. Das Feuer bewirkt eine große Reinigung und erlaubt der Seele, den Körper zu verlassen.

Am Ufer wird Wäsche gewaschen, während die Flammen eines Scheiterhaufens über einer Leiche knistern. Männer suchen mit Rechen im dunklen Schlamm nach Schmuck, der mitsamt der Asche eines Toten im Fluss gelandet sein mag.

Nach einem beeindruckenden Tag, steht am nächsten Morgen eine kurzweilige, rund sechsstündige Fahrt in den Chitwan-Nationalpark an. Wer erwartet, in Nepal nur hohe Berge und alte buddhistische Tempel vorzufinden, ist überrascht von diesem über 900 qkm großen Dschungel im Süden des Landes, an der Grenze zu Indien.

Der Park bietet Aktivitäten für alle ##Altersgruppen an, vom Kleinkind bis zum Greis. Chitwan gilt als letztes Refugium für das Rhinozeros im subtropischen Dschungel des Terai.

Bei unserer Ankunft in der Lodge steht die späte Nachmittagssonne wie ein roter Feuerball am Horizont und taucht die grasbewachsene Ebene in ein goldenes Licht. Am nächsten Tag reiten wir auf einem Elefanten. Leider bekommen wir auf unserer Dschungelpirsch mit erfahrenen Parkführern keines dieser Nashörner zu sehen.

Doch dafür entschädigt das Beobachten der Vögel. Es wimmelt nur so von ihnen: Brahmanenenten, Silberreiher, Eisvögel, Schwarzstörche, Weißstörche, Sittiche, verschiedene rote Dschungelhühner, Raubvögel, Spechte, Pfauen und Bienenfresser.

Am nächsten Tag ein kleiner Ausflug mit unserem Guide. Kaum haben wir die Wege der Lodge verlassen, hebt der Guide das Blatt eines Salbaums vom Boden auf. „Die Leute hier benutzen solche Blätter als Teller bei Feiern oder als Unterlage für Opfergaben an die Götter“, erklärt er. Er zeigt uns einen Baum, aus dem sich am besten ein Kanu herausmeißeln lässt, pflückt Blätter, die in Currygericht würzen, und andere, aus denen sich ein Antiseptikum brauen lässt.

Nach dem Besuch einer Elefanten-Farm beschließt eine eindrucksvolle Tanzdarbietung der Tharus diesen spannenden Tag.

Weiter geht es nach Bandipur. Schon die Busfahrt ist ein großes Erlebnis. Herrliche Landschaften und der Einblick in das Leben nepalesischer Dörfer begleiten uns auf dieser Fahrt. In sanften Schwüngen fahren wir dahin, vor uns erstrecken sich gelbe Rapsfelder bis zum Horizont. Das mittelalterlich anmutende Dorf Bandipur zeugt mit seinen zahlreichen Tempeln und traditionellen Gebäuden von der Handwerkskunst der Newar-Kultur. In dem Dorf, in dem keine Autos fahren, genießen wir die authentische Übernachtung in einem rustikalen, liebevoll gestalteten Heritage-Hotel. Die typischen Newari - Häuser des gleichnamigen Volksstammes haben prächtig geschnitzte Fenster und mehrflügelige Holztüren - die unterste Etage steht tagsüber praktisch völlig offen!

Die traumhafte Berglage von Bandipur ermöglicht bei guter Sicht unvergessliche Ausblicke auf die schneebedeckten Himalaya-Riesen. Und einen herrlichen Blick auf die mächtigen Himalayagipfel genießen wir auch bei einer Wanderung gemeinsam mit einem Guide ins nahe gelegene Dorf Ramkot. Überall wächst und wuchert es, die Windungen eines Flusses im Tal sind silberfarbene Pinselstriche. Zwischen verstreuten Lehmhütten dehnen sich die Reisterrassen in gleichmäßigen, konzentrischen Wellen und brechen sich an den mannshohen Bambusbüschen. In Ramkot scheint die Zeit still zu stehen. Auf dem Dorfplatz mahlen Frauen Reis auf zwei zentnerschweren Lehmsteinen, andere flegeln Weizen in der Mittagssonne, wieder andere backen Schmalzringe auf dem offenen Feuer.

Die Menschen strahlen Gelassenheit und gute Laune aus. Ihre Gesichter spiegeln die Mühsal und die Würde eines bäuerlichen Lebens. Ihr Lachen vertieft die Furchen, die Feldarbeit und Himalayasonne um ihre Augen gezeichnet haben. Die Schönheit der Frauen ist umgekehrt proportional zum Estee-Lauder-Prinzip: Sie werden mit jeder Falte schöner.

Das Lokalgericht der Gegend wird auf den Bastmatten am Boden auftischt: Reis, bittere Linsen, dazu silberne Töpfchen mit selbstgemachtem Marihuana-Chutney (es hat keine Rauschwirkung und dient hier einfach als Nahrungsmittel). Wir graben unsere Finger in den Linsenbrei und versuchen, wenigstens die Hälfte davon in den Mund zu bringen. Einhändig, mit der rechten Hand natürlich, die 'unreine' Linke muss brav auf der Matte bleiben, denn sie ersetzt nach der Mahlzeit das Toilettenpapier.

Am letzten Tag in Bandipur verabschiedet sich das Hotelpersonal ganz herzlich. Wir bekommen einen Tika auf die Stirn und einen hellen Schal umgelegt.

Am 9. Tag unserer Reise geht es von Bandipur nach Pokhara, das in einem atemberaubenden schönen und fruchtbaren Tal liegt. Der Name Pokhara ist sehr alt und wurde abgeleitet von dem Wort Pokhari, was so viel bedeutet wie Teich oder See. Nach einer Bootstour auf dem Fewa Lake erkunden wir die vielen idyllischen Ecken, die es Pokhara zu entdecken gibt. Der Ort in 827 Meter Höhe war früher ein wichtiger Handelsort zwischen Indien und Tibet. Der Handel der Tibeter kam jedoch nach der Entmachtung Tibets durch die Chinesen zum Erliegen.

Geblieben sind die großartige Ausblicke auf das Himalaya- Massiv - am besten frühmorgens. Die Schönheit der unberührten Natur und die zum Greifen nahen Berge machen Pokhara unvergesslich.

Mit dem Bus geht es zurück nach Kathmandu, wo am nächsten Tag eine neun Kilometer lange Wanderung nach Nagarkot auf dem Programm steht. Es präsentiert sich ein fantastischer Blick auf die Gebirgskette des Langtang-Himals mit den Gipfeln des Langtang Lirung I (7226 m) und des Gan Chenpo (6387 m).

Der Ort Nagarkot erstreckt sich über den Bergrücken. Am höchsten Punkt des Ortes findet man einen kleinen Stupa. Von dort steigen wir über wenige Stufen zu einer Aussichtsplattform hoch, von wo aus man den besten Blick hat.

Am Abend lockt ein nepalesisches Essen mit folkloristischen Darbietungen im Bhojan Griha, einem geschmackvoll restaurierten Ranapalast. Es gibt ein mehrgängiges Menü unter anderem mit dhal bat (Reis mit Linsen) und alu tareko (Kartoffelcurry).

Ein köstlicher Abschluss einer unvergesslichen Reise.

Die Teilnahme an der Recherchereise wurde unterstützt von Gebeco.

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  • Wanderungen auf 1.000 bis 2.000 Metern
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Wüsten-Wunder Samarkand – über Usbekistan

Ein Reisebericht von Martin Wein, veröffentlicht im Mai 2015.

Auf einer Route der Seidenstraße durch Usbekistan: Prachtvolle Moscheen, geheimnisvolle Altstädte und ein Land im Aufbruch liegen auf der Strecke. Und klangvolle Namen wie Samarkand und Buchara. Selbst die Sowjets konnten ihren Reiz nicht brechen.

Die Seidenstraße ist fraglos die beste Werbeidee, die jemals für Mittelasien ersonnen wurde. Ende der 1860er-Jahre hatte der deutsche Geograph Ferdinand von Richthofen Chinas Provinzen nach Kohlevorkommen durchsucht, die er für die deutsche Wirtschaft erschließen sollte. Um seine umfassenden Werke aber beim Romantik-verliebten deutschen Publikum besser zu verkaufen, erfand er den Begriff von der Seidenstraße, als seien die schwer bepackten Karawanen quasi auf einer Autobahn von China bis in den Nahen Osten getrottet. In Wahrheit gab es ein ganzes Netz von Routen und Verbindungen, die sich ständig verschoben und an wichtigen Oasenstädten trafen. Wie auf einer Kette liegen die noch heute vor allem in Usbekistan in der Steppe Zentralasiens und ziehen Besucher in ihren Bann.

Die Reise beginnt weniger spektakulär in der Hauptstadt Tashkent. Breite, grüne Boulevards, 2,3 Millionen Einwohner, Plattenbauten aus den 60er- und 70er-Jahren, eine schnelle U-Bahn aus russischen Zeiten, fünf große Theater und Prunkbauten im postsowjetischen und neoorientalischen Stil prägen das Bild im Reich des ex-sowjetischen Parteisekretärs Islam Karimow, der das Land seit der Unabhängigkeit 1991 autokratisch, aber ohne Personenkult regiert. Von der berühmten Altstadt sind nach dem Erdbeben von 1966 praktisch nur das Kaffal Shashi-Mausoleum und die berühmte Koranschule Barakchan aus dem 16. Jahrhundert übrig, in der heute Kunsthandwerk verkauft wird. Daneben eine neue Moschee im alten Stil. Karimov ließ sie 2007 in nur acht Monaten hochziehen. Immerhin sind 80 Prozent der Staatsbürger Muslime. Allerdings gehen nur 30 Prozent regelmäßig beten. In Deutschland gebe es mehr Moscheen als in Usbekistan, sagt der Germanist Ruslan Rustamow, der für den Marktführer Gebeco deutsche Gruppen durch sein Heimatland führt.

Erster Paukenschlag dann 300 Kilometer südwestlich in Samarkand. Der Registan-Platz ist wohl das schönste Wohnzimmer Asiens. Drei mächtige Medresen umschließen ihn in imposanter Harmonie. Ein Ausrufezeichen der Blütezeit im 15. bis 17. Jahrhundert, als der legendäre Mongolen-Herrscher Timur-Lenk, bei uns auch als Tamerlan bekannt, ein Großreich und eine machtvolle Dynastie begründete. Die schillernden Majolka-Kacheln in blau, türkis und weiß an den Fassaden müssen den Wüstenreisenden wie ein Wunder erschienen sein. Und unter Gelehrten galten die Hochschulen als erste Adresse. Perfekten Ausblick bietet neuerdings eine weiße Marmor-Empore, die man für Chinas Staatschef Xi Jinping an der offenen Südseite gebaut hat. Mutige können auch im Dunkeln eine steile Wendeltreppe auf ein Minarett hochsteigen. Der Ausblick ist grandios, bei 45 Zentimeter hohen Stufen aber auch ein Muskelkater garantiert. Der Muezzin tut sich das schon lange nicht mehr an.

Noch verwunschener ist ein Gräberfeld, das in die Mauern der vorchristlichen Festung Afrosiab entstand. In Shah-e-Sende ließen sich die Edlen an Timurs Hof prunkvolle Mausoleen mit wunderbarem Sternen- und Blumendekor errichten. Auch ein Cousin Mohammeds soll hier begraben liegen und zieht täglich Pilgerscharen auf den Grabhügel. Timur selbst liegt unten im Tal in einem eigenen Grabkomplex unter einer mächtigen Tambour-Kuppel und einem Scheinsarkophag aus schwarzem Nephrit tief in der Erde bestattet. Seit der Unabhängigkeit wird er als Nationalheld verehrt.

Noch mehr in die Zeit der Karawanen eintauchen kann man in Buchara jenseits der Serafshan-Berge. Lebensgroße Holzdromedare ruhen um das große Wasserbecken im Zentrum der Altstadt, als seien sie von einer Karawanengesellschaft zur Rast hier abgestellt worden. Kleine Mädchen im Sonntagsstaat klettern auf ihre Höcker. Eine Schülergruppe posiert davor für ein Selfie. Die Pilgerherberge Devon Begi im Hintergrund wurde im 16. Jahrhundert eigens so angelegt, dass ihre Kuppeln und Türme sich im Wasser spiegeln. Links und rechts davon prägen zwei mächtige Koranschulen das Bild. An Tischen um das Becken sitzen Männerrunden im Schatten der Maulbeerbäume hinter Porzellanschalen mit grünem Tee. Der würzige Duft von frisch gegrilltem Schaschlik liegt in der Luft. Aus Lautsprechern dröhnen neoorientalische Techno-Beats. In ihrem Takt schlägt hier am Labi Hauz, dem einst lebenswichtigen Wasserreservoir, das Herz der Seidenstraßen-Romantik.

Viele Baudenkmale in der Altstadt wurden kostspielig saniert, darunter die mächtige Festung Ark, das weithin sichtbare Kolon-Minarett von 1127 oder das viertorige, turkmenische Portal Chor Minor, das als usbekisches Taj Mahal gerühmt wird. Ein erstes Stadttor wurde wieder aufgebaut. Bis 2020 soll die ganze Stadtmauer aus Lehmziegeln wieder stehen. In die alten Handelsgewölbe zogen Teppichhändler und Puppenmacher ein. Ein Händler schenkt probeweise Gewürztee mit Anis, Nelke, Kardamom, Zimt, Safran, Pfefferminze und Basilikum aus. Immer neue Hotels im traditionellen Dekor eröffnen. Obwohl noch schätzungsweise 10 000 Menschen hier leben, wirken Teile der Altstadt aber museal. 80 Jahre Sozialismus haben den Orient zurückgedrängt.

Davon kann auch Israel Khan tagtäglich ein Lied singen. In der alten Pilgermoschee Chor Bakr vor den Toren der Stadt wartet der Mullah auf Gläubige. Fünfmal am Tag steht er vor dem Portal und ruft zum Gebet. „Ich bin schon froh, wenn überhaupt jemand kommt“, sagt Khan. Zwar gebe es ein gewisses Interesse am Islam, aber die meisten Usbeken betrachten Religion eher distanziert als Ergänzung ihres Lebensstils. Sie trinken Wodka und Bier und essen gelegentlich auch vom Schwein. Frauen schminken sich nach russischer Art eher üppig als dezent, seit 1927 alle verhüllenden Ausgeh-Mäntel öffentlich verbrannt wurden. Oft muss der Mullah Pilgern erst einmal erklären, wie man eigentlich richtig betet.

In Chiwa ist der Eindruck völlig anders. Die alte Oasenstadt liegt ganz im Westen des Landes in der Nähe des antiken Flusses Oxus mitten in der Wüste Kizilkum. Innerhalb der gelben Lehmmauern findet man ein fast vollständig erhaltenes Bauensemble enger Gassen, prunkvoller Moscheen, schattiger Teehäuser und fremder Gewürzdüfte. In den Wohnvierteln am Rande der Mauer meckern Ziegen in den eingefassten Höfen. Und wenn die Sonne sinkt, treffen sich die Nachbarn zum gemeinsamen Schaschlik-Grillen auf der Gasse. Nachts wird es stockdunkel in der Stadt. Ein klarer Sternenhimmel begrenzt dann die Schattenrisse der Kuppeln und Türme wie seit vielen hundert Jahren.

Gut zu wissen:

Anreise: Uzbekistan Airways bietet neuerdings montags, donnerstags und in der Hauptsaison samstags Direktflüge von Frankfurt nach Taschkent an, Flugdauer 6,5 Stunden. Die preisgünstigsten Verbindungen ab vielen deutschen Flughäfen offeriert Turkish Airlines via Istanbul (Flugzeit ca. 8,5 Stunden).

Reisezeit: Der Winter ist gewöhnlich sehr kalt mit bis zu -30° C, der Sommer mit bis zu +55°C sehr heiß. Beste Reisemonate sind Anfang April bis Anfang Juni sowie September und Oktober.

Im Land: Schnellzüge verkehrten zwischen Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa. Autofahrten im Leihwagen sind aufgrund der sehr schlechten Straßen nicht empfehlenswert. In den Städten stehen viele Taxis zu günstigen Preisen zur Verfügung. Für eine Stadtfahrt zahlt man 1 – 3 Euro.

Hygiene: Die Verhältnisse sind allgemein gut. Dennoch erkranken drei Viertel aller Reisenden. Schweres Baumwollöl im Nationalgericht Plov sollte man ebenso meiden wie Früchte von der Straße.

Rundreisen: Gebeco bietet eine 12-tägige Erlebnisreise von Taschkent bis Chiwa ( zur Reise: Link:/reisen/2M13001 ) oder eine 13-tägige Aktivreise inkl. Kameltrekking, Jurten-Übernachtung und Wanderungen ( zur Reise Link: /reisen/2M14000 ). Dr. Tigges veranstaltet u. a. eine 15-tägige Studienreise „Erzählendes Usbekistan“ auf den Spuren von Tausendundeiner Nacht.

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  • Ausgewählte Termine ohne Aufpreis für Einzelzimmer
  • Traditionelle Fladenbrot-Bäckerei und Gewürzprobe
  • Abendessen mit Folklore in Chiwa
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Ritt auf dem Drachenrücken - über China

Ein Reisebericht von Martin Wein

Die Karstberge an den Mäandern des Li-Flusses und die Reisterrassen in den Shan-Bergen prägen die grünen Kulturlandschaften im Süden Chinas. Und das Grün kehrt in die Mega-Städte zurück

Mit der Liebe der Chinesen zu ihrer Natur hat das Ausstellungszentrum für Stadtentwicklung auf den ersten Blick nichts zu tun. Geformt wie eine überdimensionale Stereo-Anlage der 1980er-Jahre mit einer altmodischen Tisch-Antenne obendrauf steht der Klotz gleich neben dem Rathaus am zentralen Volksplatz in Shanghai. Im Inneren protzt die Stadtverwaltung des 23-Millionen-Einwohner-Molochs mit einem imposanten beleuchteten Riesen-Modell der südchinesischen Megalopolis im Jahr 2020. Doch nur ein Stockwerk darüber geht es nicht mehr um Autobahnen, Fabriken und Appartementbunker, sondern um Bäume. Hier erfährt der Besucher, dass die üppigen Rabatten von Rosen, Geranien und Begonien auf allen Kreisverkehren, an Straßenrändern und auch auf den horizontalen Blütenwänden an der Uferpromenade Bund am Perlfluss keineswegs nur eine ästhetische Bedeutung haben. Ausgerechnet die wichtigste Industriestadt Chinas will zurück zur Natur – und das mit Macht.

Drei Prozent seiner Wertschöpfung investiert Shanghai derzeit jedes Jahr in seine Grünanlagen, beteuert die Verwaltung in der Ausstellung. Ein 25 Meter breiter Grüngürtel legt sich neuerdings innen um die wichtige Ringstraße, außen gefolgt von einem 500 Meter breiten Waldgebiet. Zapfenförmige Grünanlagen in den Außenbezirken sollen die Belüftung der Innenstadt verbessern und den Hitzestau ableiten. 671 Quadratkilometer Wald sollen außerhalb des Rings für Frischluft und Auslauf sorgen. 2020 möchte die Stadtverwaltung 40 Prozent der Stadtfläche ergrünt sehen, damit die Mega-Stadt nicht kollabiert.

Die spürbaren Folgen der Industrialisierung, der weiter rasant wachsenden Bevölkerung und des Klimawandels haben im Reich der Mitte zum Umdenken geführt. Gartenstädte, die ohne sichtbaren Übergang mit der umgebenden Landschaft verwachsen, sind die politisch gewollte Zielvorgabe. Doch dahinter verbirgt sich auch eine tief verwurzelte Liebe zur kultivierten, sorgsam gehegten Natur, die sich in jedem chinesischen Garten widerspiegelt.
Ihre Vorbilder findet man vor allem im feuchten Südwesten des Riesenreichs. Ein zweistündiger Flug bringt Besucher westwärts in die Hauptstadt Guilin in der Autonomen Provinz Guangxi. „Zimtwald“ heißt die Stadt übersetzt. Wenn auch das Zentrum mit dem lieblichen Namen kaum noch etwas gemein hat, so faszinieren doch schon beim Anflug die dutzenden rund geschliffenen Kalksteinkegel, die sich südlich der Stadt wie Buckel freundlicher Glücksdrachen aus dem grünen Sumpfland an den Ufern des Li-Flusses recken. Sie sind eine Attraktion, die 40 Millionen chinesische Touristen und 140 000 Ausländer im Jahr in den Hauptort Yangshuo locken. Auf überdachten Plastikflößen mit knatternden Außenbord-Motoren sausen die Besucher flussabwärts durch die Szenerie, die man hierzulande von manchem Porzellan-Service aus Uromas Beständen kennt.

Jia Jia You nimmt ihre Gäste lieber auf Fahrrädern mit aufs Land, am besten samt Hilfsmotor wegen der Hitze. Auf schmalen Feldwegen und kaum befahrenen Nebenstraßen schlängelt sich ihr Grüppchen von Dorf zu Dorf. In der Umgebung stehen immer wieder die markanten Reste des Sichuan-Urmeeres, denen man phantasievolle Namen wie Großvater betrachtet einen Apfel oder Acht Unsterbliche kreuzen den Fluss gegeben hat. Gemüsefelder, Zimtblütenbäume und Teiche voller Wasserhyazinthen wechseln sich ab mit Nassreispflanzungen. Gelegentlich quält sich noch ein Wasserbüffel vor dem Pflug durch den schweren Lehmboden. Doch vor allem der Anbau der begehrten herbsüßen Kumquat-Zwergorangen habe viele Bauern reich gemacht, erzählt Jia Jia – und neue Hotelbauten. „Die Landflucht ist hier inzwischen gestoppt“, glaubt Jia Jia und verrät, viele Bauern hätten nur offiziell ihren Wohnsitz in der Stadt, weil sie damit Anspruch auf bessere medizinische Versorgung und Schulausbildung ihrer Kinder in den Zentren genössen. Zwar sollte man sich von den Glitzer-Fassaden auf dem „Hallo-Markt“ mit seinen agilen Händlern und modernen Geschäften in Yangshuo nicht täuschen lassen. Abseits der Touristenpfade gibt es nach wie vor viel Armut. Aber viele möchten auch ihr Leben nicht mit der Hektik und dem Smog in den Millionenstädten tauschen. Auch Rüdiger Sonten hat in Yangshuo sein Dorado erkannt. Als Backpacker kam der Koch aus Erlangen 1996 in die Region. Heute serviert er in Lederhosen vornehmlich chinesischen Gästen im Restaurant „Zur Eiche“ Schweinshaxe mit Sauerkraut, Thüringer Bratwurst und Rheinischen Sauerbraten. „Der Markt ist da“, sagt Sonten, „das läuft besser als unsere Pizzeria“. Wer als westlicher Besucher es hingegen lieber authentisch mag und mutig ist, der kann im hintersten Winkel der Markthalle von Yangshuo stattdessen auch ein paar lebende Frösche im Beutel, eine halbe Katze oder ein Stück frischen Hund einkaufen. Oder er belässt es bei Fisch aus dem Fluss.

Andere Bauern haben den Tourismus zum Geschäftsmodell gemacht. Nachdem eine Landschaftsaufnahme vom Gipfel des Hut-förmigen Xianggong-Berges – er liegt knapp 30 Kilometer von Yangshuo entfernt – dem Fotografen vor einigen Jahren über Nacht einen internationalen Preis einbrachte, bauten sie einen Treppenweg und Aussichtsplattformen und kassieren seither Eintritt. Der Provinzregierung ist die Eigeninitiative ein Dorn im Auge. So muss man ohne Reisegruppe anreisen und dann noch 15 Minuten zu Fuß aufsteigen. Die Mühe wird belohnt: Auf drei Seiten schlängelt sich der blau schimmernde Fluss tief unten durch mehrere Reihen im Dunst verschwimmender grün überwucherter Karstkegel. Eine Symphonie in Blau- und Grüntönen – selbst für den besten Landschaftsarchitekten unmöglich zu kopieren.

Schon vor 800 Jahren legten dagegen die Minderheiten der Zhuang, der Yao, Miao und der Dong in den Shan-Bergen nördlich von Guilin Hand an. Vor feindlichen Übergriffen in die Höhenlagen geflüchtet, haben sie dort viele Bergrücken terrassiert und mit Trockenreis bepflanzt. Auf einer Fläche von 70 Quadratkilometern sind die fragilen Anlagen noch erhalten. Heute tragen die Hänge im Kreis Longshen poetische Namen wie Neun Drachen und fünf Tiger oder Sieben Sterne, die den Mond umkreisen. Doch auch nicht so Phantasie-Begabte sollten den Ausflug in die Berge nicht auslassen. Shuttle-Busse bewältigen den größten Teil der 800 Höhenmeter. Die letzte Dreiviertelstunde läuft man zu Fuß durch Spaliere von Tee- und Souvenirhändlern. Dann öffnet sich im Dorf Ping An mit seinen traditionellen Holzhäusern der Blick auf den Drachenrücken.

Ein Hundertwasser-Kalender ist nichts gegen dieses Ensemble abgestufter Kurven ohne eine einzige gerade Linie, die sich von 380 bis in 1180 Meter Höhe die Berge hinaufziehen. Mehrere Wanderwege schlängeln sich hindurch wie ein Ritt auf dem schuppigen Reptil. Besonders zum Sonnenaufgang tupfen tief hängende Wolkenfetzen über den Tälern zusätzliche Pastelltöne in die Landschaft. Nur das hektische Klicken aus dem Wald der schweren Kamerastative heraus stört an den einschlägigen Aussichtspunkten die Idylle. Eigentlich würden die Zhuang, deren traditionsbewusste Frauen sich bis heute nur einmal im Leben vor der Hochzeit die Haare schneiden lassen, lieber Gemüse oder Obst anbauen, verrät Jia Jia You. Das bringt mehr Ertrag und macht weniger Arbeit. Aber um die einmalige Landschaft für die Nachwelt zu erhalten, dürfen sie nicht. Ständig müssen die Bauern die Mauern aus Lehm ausbessern, den Wasserfluss regulieren und die Setzlinge hegen. Dafür bekommen die Bewohner von Ping An und den anderen beiden Terrassendörfern in Longshen ihren Anteil an den Eintrittsgeldern der Touristen, die für einen kühlen Morgen oder zwei den Mühen der Ebene entfliehen.

Informationen:

Anreise: Lufthansa und Air China fliegen in ca. 12 Stunden nonstop von Frankfurt/Main nach Shanghai Pudung. Preis ab ca. 750 Euro. Von dort gibt es Inlandsflüge oder Schnellzugverbindungen nach Gulin.

Reisezeit: Mitte April – Ende Mai und September – Oktober. Die Reisfelder blühen im Juli, aber dann ist es sehr heiß.

Einreise: Deutsche benötigen grundsätzlich ein Visum, das ca. 6 Wochen vor Reiseantritt bei der zuständigen chinesischen Auslandsvertretung beantragt werden muss (Infos: www.visaforchina.org). Bei einem Transitaufenthalt in Shanghai oder Gulin mit gebuchtem Weiterflug oder Kreuzfahrtabreise ist ein visafreier Aufenthalt von 72 Stunden in der jeweiligen Stadt zulässig.

Veranstalter: Der China-Spezialist Gebeco bietet bis Ende Oktober und wieder ab April 2018 eine 18-tägige Erlebnisreise "Malerische Reisterrassen und imposante Schluchten" von Peking nach Shanghai und u. a. auch zu den vorgestellten Zielen an. Preis im DZ ab € 2.395,-

Informationen: Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China, Ilkenhansstraße 6, 60433 Frankfurt am Main, Tel. 069 / 52 01 35, www.china-tourism.de

Dazu passende Reisen:

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