Armenien – zwischen Ost und West

Armenien – zwischen Ost und West

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Eine Rundreise durch Armenien – zu den Wurzeln den Christentums am Rande Europas

Fragt man sich spontan, was man über Armenien weiß, lässt die Antwort mitunter auf sich warten und fällt häufig spärlich aus: Schaschlik isst man in Armenien und man spielt gut Schach. Dass sich hinter Armenien die älteste christliche Staatskirche der Welt, biblische Geschichten, eine Welt frühmittelalterlicher Klöster und Kirchen und vor allem die sprichwörtliche Gastfreundschaft seiner Bewohner versteckt, ahnen die wenigsten. So wird eine Rundreise durch Armenien zu einer Entdeckungsreise am unbekannten Ende Europas.

Fragen an Radio Jerewan

Früher, als die Welt noch in Ost und West geteilt war, kursierten in beiden Teilen Deutschlands immer mal kurze Flüsterwitze über den Zustand des real existierenden Sozialismus. Verpackt wurden sie als Fragen an den fiktiven „Radiosender Jerewan“. Und das ging zum Beispiel so: „Kann man mit einem russischen Auto auf russischen Straßen 120 km/h fahren? Im Prinzip ja. Aber nur einmal.“ Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass es den gleichen fiktiven Sender auch in der Sowjetunion gab. Nur hieß er dort „Radio Armenien“. Sind die Armenier also besonders humorvoll? Oder gelten sie als hinterwäldlerisch? Wenn wir zu Beginn unserer Rundreise durch Armenien in Jeweran landen, können wir uns die Antworten selbst geben. Gleich vorweg: von hinterwäldlerisch keine Spur.

Antworten aus Jerewan

Rundreise Armenien Jerewan Platz der RepublikDie Hauptstadt Armeniens ist eine Millionenstadt und eine der ältesten Städte der Welt, deren moderne Hochhäuser auf den Fundamenten von 6.000 Jahren Siedlungsgeschichte stehen. Jeweran bietet uns bei unserer Rundreise durch Armenien eine gute Einführung in das Land. Die kleine orientalische Stadt des 19. Jahrhunderts wuchs zu einer sowjetischen Metropole, leider auch mit den typischen eintönigen Satellitenstädten. Inzwischen aber finden wir im Stadtzentrum allenthalben Zeichen des Aufbruchs. Uns zieht es erst einmal ins Historische Museum. Wir lernen, dass Menschen seit 800.000 Jahren im Hochland von Armenien siedeln, dass von hier aus seit der Bronzezeit Obsidian in den Westen gehandelt wurde, dass die eigentliche Geschichte Armeniens im 7. Jahrhundert vor Christus begann und das historische Armenien um die Zeitenwende ein Gebiet bedeckte, das vom Kaspischen Meer bis hinunter nach Syrien reichte. Ein altes Land also, bewohnt von einem stolzen alten Kulturvolk. Aber Reichtum und Größe schaffen immer auch Feinde und wer sein Reich zwischen Hethitern und Assyrern, Römern und Persern, Osmanen, Russen und Türken errichtet, hat im Laufe der Jahrhunderte viele Feinde. Und er erfährt viel Leid. Bei unserer Rundreise durch Armenien gedenken wir am Denkmalkomplex Tsitsernakaberd unweit von Jerewan den Opfern des Völkermords an den Armeniern. Ein schlichter grauer Basaltobelisk erinnert an den Genozid von 1915, als bis zu anderthalb Millionen Armenier bei Deportationen und Massakern des Osmanischen Reiches den Tod fanden. Aber auch der Ararat, dessen schneebedeckter Gipfel über Jerewan thront, ist ein Symbol der armenischen Misere. Der heilige Berg der Armenier, auf dem die Arche Noahs strandete, ist für sie unerreichbar. Er liegt auf türkischem Staatsgebiet.

1.500 Jahre Schrift

In Jeweran sehen wir einen der großen kulturellen Schätze des Landes. In der Handschriftensammlung Matenadaran, der „Bibliothek“, lagern 17.000 armenische Handschriften, die ältesten aus dem 6. Jahrhundert. Das ist kein Zufall. Denn seit Anfang des 5. Jahrhunderts verfügt das Armenische über ein aus 36 Buchstaben bestehendes Alphabet. Und seit 1.500 Jahren werden armenische Geistliche, Wissenschaftler und Chronisten nicht müde, die Geschichte, Geschichten und Errungenschaften des Landes zu verschriftlichen.

Land der Kirchen und der Klöster

Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass Armenien schon sehr früh, vor der Konstantinischen Wende, ein christliches Land wurde. 301 nahm das Königreich unter Trdat III. die neue Religion an. Rundreise Armenien Kirche InnenansichtDie armenisch-apostolische Kirche ist damit die älteste christliche Staatskirche der Welt und ein großer Teil der ersten armenischen Schriften waren liturgische Texte. Auf Zeugen des frühen Christentums treffen wir bei unserer Rundreise in Armenien an vielen Orten, denn alte Klöster und Kirchen säumen den Weg. Fangen wir am Anfang an: Die Fundamente der Kathedrale von Edschmiatsin gehen auf das 4. Jahrhundert zurück. Gregor der Erleuchter, der Patron der armenischen Kirche, hatte an dieser Stelle eine Vision, in der Christus selbst ihm mittels eines goldenen Hammers den Ort des Kirchenbaus zeigte. Heute steht hier, rund 40 Kilometer westlich von Jerewan, die Hauptkirche der armenischen Christen. Im Norden treffen wir während unserer Rundreise durch Armenien auf das Kloster Haghbat. Man fühlt sich bei diesem UNESCO-Welterbe am Ende der Welt angekommen. Inmitten einer schroffen Berglandschaft liegt dieses Ensemble des 10. bis 13. Jahrhunderts im Dornröschenschlaf und entführt uns in archaische Zeiten. Rätselhaft und unvertraut sind auch die Chatschkare, die Kreuzsteine, die wir während unserer Rundreise durch Armenien am Wegesrand finden. Eindrucksvolle Kreuze in den weichen Sandstein des Hochlands geschlagen, mitunter einfache kleine Kreuze oder meterhohe Monolithen mit unglaublich feiner Steinmetzarbeit: Die Chatschkare sind den Armeniern heilig, sie schützen Weiden und Quellen und mahnen seit 1.500 Jahren die andersgläubigen Eindringlinge. Die Liste der beeindruckenden Kirchen und Klöster, wie wir unterwegs im Land sehen können, ließe sich beliebig fortsetzen: das Kloster Chor Virap am Fuße des Ararat; Norawank, das wir erst erreichen, nachdem wir eine eindrucksvolle Schlucht durchschritten haben; die Kirche des Heiligen Hrpsime, die ebenfalls UNESCO-Welterbe ist. Nur wenige Länder Europas erlauben während einer Rundreise einen so tiefen Blick in die Geschichte und Vielfalt des Christentums wie Armenien.

Armenische Gastfreundschaft

Rundreise Armenien MarktplatzOb das christliche Erbe die Armenier zu so perfekten Gastgebern macht? Fragen wir nach, wenn wir während unserer Rundreise durch Armenien wieder einmal zu einem Abendessen in einem Privathaus eingeladen werden und „verpflichtet“ sind, auch alles schön aufzuessen und mit einem guten Glas lokalen Kognaks herunterzuspülen. Die Gastfreundschaft der Armenier ist jedenfalls sprichwörtlich und auch wenn Sprache manchmal eine Hürde sein kann, versteht man sich hier häufig ohne Worte. So gelingt es uns, unsere Erlebnisse in einem Land zwischen Ost und West besser einzuordnen. Denn was ist einfacher als fragen und zuhören?

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