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Reisebericht: Die Hoffnung Usbekistans

Die Lichter-Show der usbekischen Ideale

Der Registan-Platz in Samarkand

Es ist mitten in der Nacht, aber der Registan-Platz in Samarkand strahlt hell wie der Tag. Wir sind Zaungäste einer fantastischen 3D-Lichtershow, die so noch keiner von uns erlebt hat. Aus dem Nichts erscheinen Figuren aus purem Licht. Auf den Fassaden der ehemaligen Koranschulen lassen sie in einem kunstvollen Zusammenspiel die Geschichte des Landes lebendig werden: Steppen, Sterne, Hirten und ihre Herden, die Seidenstraße, Handel, Oasenstädte, Karawanen und Reichtümer. Immer wieder geht ein Raunen durch die Menge, wenn die Show mit einem neuen Höhepunkt an Lichtexplosion überrascht. Es gibt Zwischenapplaus für besonders beeindruckende Szenen. Die Musik ist mitreißend. Ich bin schlichtweg zu tiefst beeindruckt.

Ulugh Beg

Ein andächtiges Oooohh bekommt auch Ulugh Beg, als er aus dem Licht emporsteigt und uns den Himmel in der Hand präsentiert. Immerhin war der Timuriden-Fürst ein begnadeter Astronom und ist als Märtyrer der Wissenschaft bis heute bekannt. Ihm zu Ehren wurde ein Krater auf dem Mond „Ulugh Beigh“ getauft. Für ca. 1.000 Sterne hat der Fürst im 15. Jh. die genaue Position festgehalten und außerdem hat er es verstanden, die Dauer des siderischen Jahres exakt zu bestimmen, zumindest fast exakt. Der Fehler von 58 Sekunden ist zu vernachlässigen, wenn man bedenkt, mit welchen einfachen Mitteln Ulugh Beg forschen konnte. Er ist ein echter Höhepunkt in der Geschichte des Landes, keine Frage. Eine historische Gestalt, auf die ein Volk mit einem gewissen Stolz blicken darf.

Reisebericht Usbekistan: Lichtershow Registan-Platz Samarkand

Timur Lenk

Doch dann stürmt eine andere Gestalt aus gleißendem Licht auf den Registan-Platz und die Menge bricht in Jubelgeschrei aus. Die Rufe der hunderten von Zuschauern sind so laut, dass die triumphale Begleitmusik nicht mehr zu hören ist. Alles geht im Getöse des Begeisterungssturm unter. Timur Lenk ist erschienen und die Menge ist außer sich! Im Donner des Applaus galoppiert Tamerlan durch die Geschichte Usbekistan, unter den Füßen seines Streitrosses werden die Feinde des Reiches zu Staub und im Schatten seines Banners erheben sich die magischen Traumbauten von 1.001 Nacht in den sternenfunkelnden Himmel über Samarkand. Das ist Usbekistan: groß und mächtig!

Mir läuft ein Schauer den Rücken herunter. Ich wusste: Timur Lenk ist der neu gefundene Nationalheld der Usbeken. Aber mitten im Jubelsturm wird mir bewusst, dass ich bis dahin nicht verstanden hatte, was dies wirklich bedeutet. Die emotionale Reaktion der Usbeken auf ihren Helden so unmittelbar mit zu erleben, bringt mich diesem Volk näher, als jedes Besichtigungsprogramm es könnte. Gleichzeit zeigt mir die Erfahrung auch, wie weit weg ich von meinen Gastgebern bin.


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Usbekistan: Ein fremdes Land voller Wunder

Timur Lenk - zwischen Held und Horror

Schon eine Woche reisen wir durch Usbekistan. Wir haben Xiva und Buchara bestaunt, sind luxuriös mit dem Schnellzug gefahren, haben gemeinsam mit einer Familie Plow gekocht und Samarkand erkundet. Immer wieder ist uns Timur Lenk begegnet. Häufig haben wir schon über ihn und seine Taten diskutiert. Trotzdem hat mich die Reaktion der Zuschauer auf dem Registan-Platz fast umgehauen. Unser Reiseleiter hat uns bereits von den Legenden des Eroberers berichtet: "Am Tag seiner Geburt floss in allen Flüssen Blut statt Wasser. Als ihm die Nabelschnur durchschnitten wurde, sagte er: 'Ich bin der lahme Timur, der das Blut liebt und die Welt hasst', und alles kniete nieder, sogar die Bäume verneigten sich (...)"*. Das ist nicht unbedingt der Anfang einer schönen Geschichte.

Die Geschichte „Timur Lenk“ geht auch nicht schön weiter. Stoff für eine fesselnde Fantasy-Serie liefert sie aber alle mal. Aber ist er das richtige Material für einen Volkshelden? Timur „das Wort ist wie die Klinge eines gekrümmten Schwertes“*, bedeutet „der Eiserne“. Aufgrund einer Verwachsung an der Kniescheibe war er von einer Lähmung des rechten Beines betroffen, dazu kam eine Verwachsung an der rechten Schulter, ein erlittener Pfeilschuss schränkte die Beweglichkeit seiner rechten Hand ein. Daher erhielt er den Beinahmen „Lenk“ („der Gelähmte“). Timur, der Legende nach „von Geburt an unsterblich“* erlangte bei seinen Eroberungen den Ruf eines skrupellosen und brutalen Eroberers. Auf sein Konto gehen zahlreiche Gräueltaten und äußerst bestialische Kriegsverbrechen. Kann dieser Mann ein Vorbild sein? Unser Reiseleiter meint „Ja“. Wie viele andere Usbeken auch habe er seinem Sohn den Namen Timur gegeben.

Reisebericht Usbekistan: Statue Timur Lenk

Der usbekische Traum von Unabhängigkeit und Stärke

Aber die Begeisterung der Usbeken hat ihren Ursprung nicht in den Blutbädern des militärischen Führers. Wie immer ist vor allem der Kontext zu beachten. Timur Lenk hat sich in den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion zu einer kulturellen Identifikationsfigur entwickelt. Er füllte die Lücke, die die „Helden“ der Sowjetunion hinterlassen hatten. Denn Timur hat nicht nur ein Talent für grausames Morden und Schlachten.

Er war es, der sich allein durch Ehrgeiz, Schlauheit und Schaffenskraft sowie durch Härte und Brutalität vom bedeutungslosen Kleinfürsten zum Herrn der islamischen Welt aufschwang. Er war es, der eine beispielhafte wirtschaftliche und kulturelle Blüte hervorbrachte und Usbekistan zu historischer Größe führte. Er ist ein Gegenpol zum sowjetischen Imperialismus und gilt als großer Förderer des islamischen Glaubens, der die usbekisch-islamische Kultur bis heute prägt.

In der Verehrung Timur Lenks spiegelt sich vor allem Eines wieder: Der Wunsch Usbekistans ein unabhängiges, freies Land zu sein – aus eigener Kraft Wohlstand zu generieren und eine eigene Geschichte zu schreiben, auf die man stolz sein kann. Die ersten Schritte auf dem Weg dorthin sind bereits getan. Das haben wir auf unserer Reise erleben dürfen.


Begegnungen in Usbekistan

Tourismus schafft Zukunft

Tourismus ist eine der Hauptstellschrauben, mit der die usbekische Regierung das Land nach vorne bringen will. Historische Stätten und beeindruckende Bauten gibt es genug. Wir bestaunen die fantastische Kachelkunst an den Medresen des Landes, die Kontraste von Türkis- und Sandtönen, die wunderbar restaurierten Moscheen, die Handelsplätze und ehemaligen Karawansereien.

Wir schlendern durch die verwinkelten Gassen der Museumsstadt Xiva und flanieren entlang der ehemaligen Handelsstraßen Bucharas. Wir genießen die Erfahrung mit einer uns fremden Kultur in Kontakt zu kommen und finden immer wieder Gelegenheiten, uns mit jungen Usbeken auszutauschen. Denn viele lernen in der Schule und an der Uni Deutsch. „Wieso Deutsch?“ - „Weil wir einmal Reiseleiter werden wollen.“ Die jungen Frauen und Männer sind hoch motiviert, technisch versiert und bereit, jetzt richtig durchzustarten.

Aufbruchsstimmung und alte Hindernisse

Im Prinzip sind die meisten Usbeken Sunniten - was das in einem Land bedeutet, von dem aus betrachtet „Mekka im Westen liegt“, lernen wir Tag für Tag besser verstehen. Zum einen ist der Konsum von Wodka total legitim, zum anderen gibt es zahlreiche Riten und Tricks, mit denen man sich vor bösen Geistern schützen kann. Hier ist der Islam eindeutig eine Kooperation mit dem Volksglauben eingegangen. Zu den wichtigsten Traditionen gehört noch heute das Heiraten. Wer zu wem am besten passt, bestimmen noch immer weitestgehend die Eltern. Den jungen Studentinnen, mit denen wir auf der Straße zufällig ins Gespräch kommen, macht das nichts aus.

Dass man nie ungesehen ist, stört da schon eher. „Irgendeiner kennt bestimmt jemanden den du kennst und wenn du mit einem Mädchen geheim ausgehst, erfährt ihr Bruder oder Onkel das garantiert und dann bist du dran“, versichert uns unser Reiseleiter. Jeder kennt jeden und die Dinge regelt man am besten in seinen eigenen Kreisen, ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Von manchen Dingen wird sich Usbekistan noch befreien müssen, wenn es richtig durchstarten will. Dazu gehört zum Beispiel der Baumwollanbau oder die Wassermisswirtschaft, beides ein Nachlass der Sowjetzeit.

Aber am Ende unserer Reise in Taschkent sind wir uns sicher, das Land hat Potenzial. Als Traumreiseziel ist es in jedem Fall qualifiziert und wenn die Träume der Usbeken nicht so schnell in Erfüllung gehen wie Timur Lenk Indien erreichte, ist das auch kein Beinbruch: Was gut werden soll, darf schließlich auch etwas dauern.

Wenn ihr erfahren wollt, was ihr sonst noch alles mit Gebeco in Usbekistan erleben könnt, schaut hier vorbei:

*Auszug aus dem Buch „Öl und Blut im Orient“ von Essad Bey


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