Länderinformationen

Bereiten Sie sich auf Ihre Reise vor und genießen Sie die Vorfreude! An dieser Stelle finden Sie ausführliche Informationen zu Ihrem Reiseziel, wichtige Hinweise zur reisemedizinischen Vorsorge sowie aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.


Brasilien

Steckbrief

Brasilien - Fakten

Ländername Föderative Republik Brasilien (República Federativa do Brasil)
Beste Reisezeit Januar, Februar, März, April, Oktober, November, Dezember
Lage 5º nördliche bis 33º südliche Breite, 35º bis 74º westliche Länge; grenzt an alle Länder Südamerikas außer Chile und Ecuador; Klima tropisch und subtropisch
Fläche 8,5 Mio. qkm; 47 % der Fläche Südamerikas
Hauptstadt Brasília, 450.000 Einwohner (Bundesdistrikt 2,9 Mio. Einwohner)
Bevölkerung 207,1 Millionen Einwohner, Wachstum 1,1 % pro Jahr; ethnische Vielfalt und Mischung, ca. 800.000 Indigene
Sprache Portugiesisch in brasilianischer Variante
Religion Römisch-katholisch 80 %
Nationaltag 7. September (Unabhängigkeitstag 1822)
Staats-/Regierungsform Bundesrepublik
Staatsoberhaupt seit 31. August 2016: Michel Temer (PMDB)
Regierungschef seit 31. August 2016: Michel Temer (PMDB)
Außenminister Aloysio Nunes Ferreira (seit 07.03.2017)
Parlament Nationalkongress (Congresso Nacional), besteht aus:- Abgeordnetenkammer (Câmara dos Deputados, 513 Abgeordnete)- Senat (Senado Federal, 81 Senatoren)Die letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen fanden im Oktober 2014 statt und führten mit insgesamt 28 Parteien im Parlament (vorher: 22) zu einer weiteren Zersplitterung.
Währung 1 EUR = 3,26 R$; 1 R$ = 0,31 EUR (Stand: 21.02.2017)
Zeitzone UTC-3 (MEZ - 4)
Stromnetz 127V/60Hz (Apparate) und 110V/60 Hz (Steckdosen), oder 220V/60Hz (meistens in älteren Netzen);Steckdosen nach Nordamerikanischen (alt) oder IEC 60906-1-Standard (neu)
Reiseadapter A, B, C, N
Kfz-Länderkennzeichen BR
ISO-3166 BR, BRA
Internet-TLD .br
Landesvorwahl +55
Website http://www.brasil.gov.br
Reisepass & Visum Notwendig
Geeignet für Outdoor, Meer, Feiern

Geographie

Brasilien ist das fünftgrößte Land der Erde. Im Norden hat es Anteil am Bergland von Guayana, wo mit dem Pico de la Neblina (3014 m) der höchste Berg liegt. Südlich daran anschließend verfügt es mit dem Amazonasbecken über das größte tropische Tiefland der Erde. Der Süden ist vom Brasilianischen Bergland durchzogen. Im Südwesten liegt östlich des Flusses Paraguay das Tiefland des Pantanal. Das Küstentiefland ist abgesehen vom Amazonasgebiet mit höchstens 80 km Breite sehr schmal. Hier kommen auch Mangrovenwälder vor. Es herrscht innertropisches Äquatorialklima (Norden), wechselfeuchtes tropisches und subtropisches Klima (Süden). Der heiße Sommer wird nur in den Berglagen abgemildert. Im Norden bestimmt immergrüner tropischer Regenwald das Bild, im Süden überwiegen subtropische Feuchtwälder. Weltweit einzigartig ist der tropische Regenwald Brasiliens im Amazonasgebiet, der eine Höhe von bis zu 60 m erreicht. Hier finden sich nicht nur seltenste Hölzer und andere Pflanzen. Es ist auch ein Gebiet mit ausgesprochenem Artenreichtum der Tierwelt (Jaguar und Puma, Anakonda und Delfine, Papageien und Faultiere).

Politik

Nach drei Jahrzehnten rechtskonservativer Herrschaft unter der Führung der militärisch gestützten Arena-Partei setzte Ende der 1980er-Jahre ein Demokratisierungsprozess ein. 1988 erhielt Brasilien eine neue Verfassung, Ende 1989 fanden erstmals seit 29 Jahren direkte Präsidentschaftswahlen statt. Brasilien ist eine föderative Präsidialrepublik, das Zweikammerparlament besteht aus Abgeordnetenhaus und Senat. Große Macht im Staat hat eine kleine Schicht, die stetig ihren Landbesitz erweitert, um Plantagen oder Weideflächen anzulegen oder Holz für den Export zu gewinnen. Das größte Land Lateinamerikas ist in 26 Bundesstaaten eingeteilt. Es hat außer mit Chile und Ecuador mit allen anderen Ländern des südamerikanischen Kontinents gemeinsame Grenzen.

Bevölkerung

Die Bevölkerung ist ethnisch breit gefächert. Gut die Hälfte sind Weiße, ein Drittel Mischlinge, 11 % Schwarze; rund 1 % stammt aus Asien, vor allem Japan. Die Schwarzen sind Nachfahren afrikanischer Sklaven, die als Plantagenarbeiter ins Land gebracht wurden: In den ersten drei Jahrhunderten unter europäischer Herrschaft wurden 3,5 Mio. Afrikaner durch britische Sklavenhändler nach Brasilien verkauft. Zu den Weißen gehören auch 2 Mio. Deutschstämmige. Die ursprüngliche indianische Bevölkerung umfasst heute lediglich noch 300 000 Menschen. Sie leben in ihnen zugewiesenen Gebieten mit einer Gesamtfläche von 625 000 km², hauptsächlich im Amazonastiefland. Diese Gebiete werden jedoch entgegen gesetzlichen Bestimmungen nach wie vor überwiegend von Tierzüchtern und Plantagenbesitzern beansprucht. Mitte 1996 drohte eine Gruppe von 300 Guaraní mit kollektivem Selbstmord, falls ihr Lebensraum nicht erhalten bliebe. Aufgrund der oft auseinandergebrochenen Familien hat Brasilien eine hohe Zahl sogenannter Straßenkinder. Eine parlamentarische Kommission fand heraus, dass allein 1991 ca. 350 dieser Kinder von paramilitärischen Gruppen ermordet worden waren, und schätzte die Gesamtzahl in den drei Jahren davor auf über 5000. Fast 90 % der Bevölkerung sind Katholiken, allerdings nimmt die Zahl evangelischer Erweckungsgemeinden zu. Regional existiert eine Vielzahl afrobrasilianischer Kulte.

Geschichte und Kultur

Menschliche Spuren reichen weniger weit zurück als in anderen lateinamerikanischen Ländern (bis etwa 8000 v. Chr.). Die Spanier erreichten 1500 die Küste des heutigen Brasilien. Nach dem Vertrag von Tordesillas verfügte allerdings Portugal über die Küstengebiete. Im 17. Jh. versuchten „Bandeirantes“ – ärmere Landbesitzer, die nicht in der Lage waren, Sklaven zu kaufen – vergeblich, die indianische Bevölkerung zu unterwerfen. 1825 wurde Brasilien offiziell unabhängig. Der wirtschaftliche Aufschwung begann im 19. Jh. mit dem Kaffeeexport. 1888 wurde die Sklaverei abgeschafft. Die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre beendete die wirtschaftliche Stabilität. Allmählich begann der Aufbau der Industrie, die nach dem Zweiten Weltkrieg starken Aufschwung nahm. 1961 übernahm das Militär die Macht und setzte 1967 eine veränderte Verfassung mit einem pseudodemokratischen Wahlsystem durch. Allgemeine Wahlen fanden erstmals wieder 1982 statt, den ersten Zivilpräsidenten bekam das Land 1985. Eine Opposition bildete sich auch innerhalb der indianischen Bevölkerung. Die Ermordung ihres Sprechers Chico Mendes im Dezember 1988 sorgte international für großes Aufsehen. Die brasilianische Kultur verfügt seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. über eine ausgeprägte literarische Tradition. Daneben hat die Architektur weltweit von sich reden gemacht. In Rio de Janeiro, aber auch in São Paulo und Brasília entstanden öffentliche Bauten bedeutender Architekten. Ausdruck populärer Massenkultur sind der extravagante Karneval von Rio de Janeiro und der Fußball.

Brasilien - Geschichte

1500 Pedro Álvares de Cabral nimmt das Land des Brasilholzes für Portugal in Besitz
1534 Aufteilung in zwölf Capitanias, königliche Lehen
1624–54 Invasion der Holländer im Nordosten Brasiliens
1763 Rio de Janeiro wird Hauptstadt
1808 João VI. flüchtet vor Napoleon aus Lissabon nach Rio
1822 Sein Sohn Pedro I. ruft die Unabhängigkeit aus und wird Kaiser
1840 Dom Pedro II. wird zum Kaiser gekrönt und regiert Brasilien von da an fast 50 Jahre lang
1888 Ende der 350 Jahre dauernden Sklaverei durch das von Prinzessin Isabel unterzeichnete „Goldene Gesetz“
1889 Großgrundbesitzer und hohe Militärs setzen den Kaiser ab, Brasilien wird Republik
1930 Getúlio Vargas übernimmt mit einem Staatsstreich die Macht. Sein Estado Novo wird 1945 von den Militärs beendet
1956 Juscelino Kubitschek wird Präsident und treibt die Industrialisierung voran
1960 Einweihung Brasílias als Hauptstadt
1964 Das Militär putscht sich an die Macht, wo es sich 20 Jahre hält
1994 Der erste gewählte Präsident nach der Militärdiktatur, Tancredo Neves, stirbt noch vor Amtsantritt. Nachfolger wird Vize José Sarney
1994 Präsident Fernando Henrique Cardoso stabilisiert das inflationsgebeutelte Land mit der Einführung des brasilianischen Real
2003–2010 Mit Luiz Inácio Lula da Silva übernimmt 2003 erstmalig ein Arbeiter das Präsidentenamt. Zwei Amtsperioden regiert er als beliebtester Präsident aller Zeiten
2011 Dilma Roussef, ebenfalls Mitglied der Arbeiterpartei PT, wird Lulas Nachfolgerin auf dem Präsidentensessel
2014 Die Fußball-WM findet in Brasilien statt
2016 Die Olympischen Spiele werden in Rio de Janeiro ausgetragen
Kommunikation & Adressen

Diplomatische Vertretungen

Deutsche Botschaft

Avenida das Nações | Quadra 807, Lote 25 | 70415900 | Brasília/DF | Tel. 061 34427000 | www.brasilien.diplo.de

Österreichische Botschaft

Avenida das Nações | Quadra 811, Lote 40 | 70426900 | Brasília/DF | Tel. 061 34433111 | www.bmeia.gv.at

Botschaft der Schweiz

Avenida das Nações | Quadra 811, Lote 41 | 70448900 | Brasília/DF | Tel. 061 34435500 | www.eda.admin.ch/brasilia

Notruf

Polizei (Tel. 190), Feuerwehr (Tel. 193) – aber: ohne Sprachkenntnisse ist die Kommunikation schwierig.

Internetcafés & Wlan

Internetcafés gibt’s in ganz Brasilien, WLAN-Hotspots inzwischen auch in abgelegenen Gegenden; in den bessseren Hotels gehört es zum Standard – allerdings nicht immer kostenlos.

Post

Briefe, Postkarten und Päckchen bringt man zu einem Postamt (correio), Briefkästen gibt es fast keine. Die Öffnungszeiten sind normalerweise Mo–Fr 8–17, Sa 8–12 Uhr. Briefe nach Europa sind rund eine Woche unterwegs; das Porto für einen Standardbrief beträgt ca. 0, 80 Euro.

Telefon & Handy

Das brasilianische Telefonnetz ist gut ausgebaut, funktionierende öffentliche Telefone zu finden, ist aber schwierig. Bei Auslandsgesprächen wählen Sie 00 plus einen Anbieter, plus Ländervorwahl (Deutschland 49, Österreich 43, Schweiz 41). Die Vorwahl nach Brasilien ist 0055. Bei Inlandsferngesprächen wählen Sie 0 plus Anbieter plus Vorwahl. Handys (celulares) funktionieren inzwischen fast überall. Einen lokalen Chip der vier großen Anbieter Vivo, Tim, Claro oder Oi können Sie nur mit brasilianischer Steuernummer (CPF) kaufen. Die haben Sie natürlich nicht. Häufig sind aber Taxifahrer, Verkäuferinnen in den Telefonläden oder Servicekräfte in den Hotels bereit, Ihnen mit ihrer eigenen CPF auszuhelfen. Dafür sollten Sie sich mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedanken. Die Prepaidkarte bekommen Sie meist schon mit einem kleinen Guthaben (pré-pago).

Feiertage, Feste & Veranstaltungen

Unbändige Lebensfreude und die Fähigkeit, trotz der oft widrigen persönlichen Situation den Moment zu zelebrieren, sind typisch für die meisten Brasilianer.

Feste & Veranstaltungen

Januar

Das Bonfim-Fest (2. Do) in Salvador ist die wichtigste lavagem des bahianischen Sommers, zu der fast 1 Mio. Menschen kommen. Lavagem heißen die rituellen Waschungen der Kirchen katholischer Schutzheiliger durch die weiß gekleideten Bahianerinnen des Candomblé.

Februar/März

Am 2. Februar feiern die Bahianer die Festa de Yemanjá. Dann werden der afrikanischen Meeresgöttin Blumen und Geschenke gebracht, die die Fischer in riesigen Körben dem Meer übergeben.

Karneval wird – abhängig vom religiösen Kalender – im Februar oder März gefeiert. Dann steht in ganz Brasilien der Alltag still, auch wenn nicht alle Brasilianer feiern. Viele nutzen die Tage für eine Reise, um vor dem Karneval zu flüchten, zur Entspannung oder eben doch zum Feiern.

März/April

Die Osterprozessionen in den Barockstädten von Minas Gerais beeindrucken durch die Hingabe der Mitwirkenden.

April/Mai

Das Opernfestival in Manaus wird jedes Jahr ab Ende April vier Wochen im Teatro Amazonas veranstaltet. www.teatroamazonia.com.br

Juni

Die Festas Juninas („Junifeste“) zu Ehren der Schutzheiligen Santo Antônio (13.), São João (24.) und São Pedro (29.) sind auf dem Land im Nordosten wichtiger als Karneval. In jedem noch so kleinen Ort wird São João mit geröstetem Mais, Erdnüssen, hausgemachtem Likör und viel Forró-Musik gefeiert. Festhochburgen: Caruaru und Campina Grande.

In Maranhão werden zwischen Juni und August zahlreiche Bumba-meu-boi-Feste veranstaltet. Bumba-meu-Boi ist ein Mysterienspiel, das mit viel Musik (Ziehharmonika, Tamburin und Membraphon) endet.

Festival de Parintins: Zum dreitägigen Wettstreit um die beste Tanzpräsentation kommen am letzten Juniwochenende bis zu 40 000 Besucher nach Parintins (Amazonas).

August

Festa da Boa Morte in Cachoeira: Die Prozession mit Samba de Roda am 15. ist der Höhepunkt des Fest der Irmandade da Boa Morte, der einzigen „schwarzen“ Schwesternschaft Brasiliens.

Die Festa do Peão Boiadeiro in Barretos, das größte Country-Fest Brasiliens, wird seit 50 Jahren in der 2. Augusthälfte mit Musikshows und Rodeos veranstaltet.

Oktober

Das zweiwöchige Oktoberfest in Blumenau ist seit den 1980er-Jahren beliebt.

Zum Círio de Nazaré kommen am 2. Oktoberwochenende über 1 Mio. Menschen nach Belém. Bei der Prozession wird das Bild der hl. Mutter von Nazareth durch die Straßen der Stadt zur Basilika getragen.

Dezember

Silvester verbringt man am besten am Strand. Dann sind die meisten Menschen weiß gekleidet und bitten die Meeresgöttin um die Erfüllung ihrer Wünsche. Zur tollsten Silvesterparty Brasiliens am Strand von Copacabana in Rio kommen über 1 Mio. Menschen, um das neue Jahr mit großartigem Feuerwerk willkommen zu heißen.

Gesetzliche Feiertage

1. Januar Neujahr
März/April Karfreitag
21. April Tiradentes (Revolutionstag)
1. Mai Tag der Arbeit
Mai/Juni Fronleichnam
23. Juni Johannisfest
7. September Unabhängigkeit Brasiliens
12. Oktober N.S. Aparecida (Schutzheilige Brasiliens) und Tag der Kinder
2. November Allerseelen
15. November Ausrufung der Republik
25. Dezember Weihnachten
Mobilität vor Ort

Auto & Mietwagen

Einen Leihwagen bekommen Sie an jedem Flughafen und in den größeren Städten. Dafür brauchen Sie einen internationalen Führerschein und eine Kreditkarte. Das Auto muss dort wieder abgegeben werden, wo es ausgeliehen wurde, sonst wird es extrem teuer. Die lokalen Anbieter sind oft günstiger (150–180 R$/ Tag) als die internationalen Firmen. Eine komplette Vollkaskoversicherung gibt es nicht, ein Eigenanteil bleibt im Schadensfall erhalten.

Bedenken Sie, dass Autofahren in Brasilien gefährlicher ist als in Deutschland: Die z. T. schlechten Straßenverhältnisse, die unzureichend ausgeschilderte Straßenführung, dazu der flotte Fahrstil und das Ignorieren vorhandener Verkehrszeichen erhöhen das Risiko. Nachts sollten Sie außerhalb der Städte aus Sicherheitsgründen nicht unterwegs sein.

Öffentliche Verkehrsmittel

Mit dem Bus kommen Sie in Brasilien überall hin, Bahnlinien gibt es dagegen kaum. Die Busse der Überlandstrecken sind modern und je nach Klasse sehr bequem, besonders die Liegebusse (leitos). Wegen der niedrigen Flugpreise lohnt es sich inzwischen aber auch schon auf mittleren Strecken zu fliegen.

Die Metros in Rio de Janeiro, São Paulo und Porto Alegre funktionieren perfekt.

Freizeit & Genießen

Essen und Trinken

So farbig und bunt gemischt, wie sich die meisten Ausländer Brasilien erträumen, ist die vielfältige Küche des Landes. Die afrikanischen Einflüsse vermischten sich mit den portugiesischen Traditionen und nutzten, was die Tropen und die indianische Ernährung hergeben: Fische und Meeresfrüchte, Früchte und Wurzeln sowie Maniok und Bohnen.

Einige Gerichte haben sich im ganzen Land durchgesetzt, wie das churrasco, gegrilltes Fleisch, und natürlich Bohnen und Reis, feijão com arroz. Das brasilianische Nationalgericht, die feijoada, sollte man am besten in Rio de Janeiro probieren. In den Eintopf aus schwarzen Bohnen gehören traditionell die Fleischteile, die im Herrenhaus den Sklaven überlassen wurden: Schweineohren und -schwänze, Pfötchen und Bauchspeck. Heute kommt die feijoada in den Restaurants mit besseren Fleischteilen auf den Tisch, aber es bleibt ein deftiger Eintopf, zu dem weißer Reis gehört und farinha, geröstetes Maniokmehl. Für die Vitamine sorgen fein geschnittene Kohlblätter, die mit Knoblauch gegart werden, und Orangenscheiben. Den richtigen Pfiff gibt die scharfe Pfeffersauce, molha de pimenta, aus frischen Chilis gemacht und mit Vorsicht zu dosieren. Zur Feijoada gehört cachaça, der Zuckerrohrschnaps, meist als caipirinha mit Limonen, Zucker und Eis oder als batida, angesetzt mit Fruchtsaft. In den letzten Jahren ergeht es dem Cachaça wie dem Grappa: Immer häufiger wird er fein gebrannt, in Holzfässern gereift und pur getrunken.

Aus den Pampas an der Grenze zu Uruguay und Argentinien kommt die Tradition der Gauchos, der Viehtreiber, Fleisch über offenem Feuer zu garen. Inzwischen gibt es in jeder Stadt zwischen Amazonas und Rio de la Plata eine churrascaria. Beim rodízio kann man für einen Einheitspreis so viel essen, wie man möchte. Wie in den Nachbarländern pflegen die Einwohner des südlichsten Bundesstaats die Tradition des Matétrinkens. Der belebende, frisch aufgegossene bittere Tee nimmt das Hungergefühl.

Die portugiesischen Wurzeln werden besonders deutlich in der deftigen cozinha mineira, der Küche aus Minas Gerais: Spanferkel, Kartoffel-Kohl-Suppe, gerösteter Schweinebauch (torresmo)und jede Menge süßer Kompotte und Karamellspezialitäten, Kuchen und Gebäckvarianten. In der Metropole São Paulo kommen zu den europäischen Traditionen die kulinarischen Einflüsse der japanischen Einwanderer: roher Fisch und dampfende Eintöpfe, gegrillte Köstlichkeiten und Sushi – nirgendwo sonst gibt es außerhalb Japans so viele japanische Restaurants wie hier.

Palmöl und Kokosmilch, Kochbananen und Chilischoten in allen Farben – in der bahianischen Küche brodeln Zutaten afrikanischer Herkunft. Das schwere, orangefarbene Öl der Dendê-Palme verbreitet einen typischen Geruch, sobald es erhitzt wird. Baianas heißen die ambulanten Köchinnen in ihren prächtigen weißen Kleidern und turbanähnlichen Kopfbedeckungen, die in den Straßen Salvadors Köstlichkeiten anbieten.

Die meisten Brasilianer können mit den exotischen Namen der Früchte und Fische der Amazonasküche wenig anfangen, aber einige Zutaten sind in ganz Brasilien verbreitet: açaí, ein dickflüssiges Püree aus açaí-Früchten, einer Palmenart, die im Amazonasgebiet zu Fisch, im Rest Brasiliens aber zu Müsli und Bananen gegessen wird – und das guaraná, die brasilianische Brause, die wie aufgelöste Gummibärchen schmeckt. Die Indios mahlten die getrockneten guaraná-Samen zu einem Pulver, das belebende Wirkung hat.

Die Vielfalt der tropischen Früchte lernen die meisten Besucher bereits beim ersten Frühstück kennen: Bananen, Mangos, Ananas, Papayas, Melonen liegen appetitlich aufgeschnitten auf dem Frühstücksbüfett, dazu frisch gepresste Säfte aus Orangen, Maracuja, Cashew-, Stern- und Acerola-Früchten. Oft wird der Saft aus gefrorenem Fruchtfleisch mit Wasser und Zucker aufgeschlagen, das schmeckt fast wie frisch gemacht. Außerdem gibt es gekochte Maniokwurzeln oder Süßkartoffeln, Kuchen, Kekse und süßen Brei. Und natürlich darf der café nicht fehlen. Anders als in Europa gibt es keine Tradition des Cafébesuchs, aber einen cafézinho, einen bereits gesüßten schwarzen Kaffee, bekommt man tagsüber überall angeboten.

Das Mittagessen ist den Brasilianern heilig: Punkt zwölf stehen Reis und Bohnen auf dem Tisch. In den Städten bilden sich Schlangen vor den Restaurants mit Mittagsbüfett. A kilo heißt das, weil sich jeder selbst am Büfett bedient und hinterher nur der Teller gewogen wird. Bei der Bestellung im Restaurant sollte man sich vergewissern, ob es sich um ein prato individual handelt oder nicht, denn oft sind die Portionen für zwei Personen gedacht. Das Abendessen fällt im Allgemeinen leichter aus. Die Restaurants sind oft durchgehend geöffnet. Das ist praktisch, wenn man nach dem Strand schon nachmittags Hunger hat.

Die Brasilianer sind begeisterte Biertrinker: Anders als in Deutschland muss es eiskalt in kleinen Gläsern serviert werden, am liebsten in einem boteco, einer einfachen Bar. In den Bars ist es üblich, zum Trinken immer eine Kleinigkeit zu essen; die so genannten petiscos oder tira-gostos gibt es zu jeder Tageszeit und bis spät in die Nacht. In den letzten Jahren hat sich der brasilianische Weinanbau modernisiert und produziert neben Rot- und Weißweinen guten Sekt.

Trinkgeld

Die meisten Restaurants und Bars berechnen automatisch 10 Prozent Trinkgeld. Im Allgemeinen wird diese taxa de serviço bezahlt, es besteht jedoch keine gesetzliche Verpflichtung dazu. Wenn Sie zufrieden waren, runden Sie auf, meist lebt der Kellner vor allem vom Trinkgeld, so wie Kofferträger und andere Dienstleister, die sich über eine gorjeta freuen.

Einkaufen und Shoppen

An was denken Sie bei Brasilien: an Sonne und Strand, an Kunsthandwerk, Essen und Trinken? In diesen Bereichen finden Sie auch die schönsten Kleinigkeiten. Um Öffnungszeiten müssen Sie sich wenig Gedanken machen: Shoppingcenter haben meist Mo–Sa 9–22 Uhr geöffnet, So meist ab Nachmittag. Supermärkte öffnen sieben Tage die Woche, teilweise sogar 24 Stunden. Oft gibt es am Abend auch irgendwo einen kleinen Markt.

Sonstige Einkaufen

Body & Soul

Wo haben Sie sich am besten entspannt? In einer Hängematte? Die sind im Nordosten zu bekommen, von der einfachen geknüpften bis zu schön gefärbten schweren Baumwollmatte. Ein tolles Geschenk ist Naturkosmetik aus Wurzeln, Hölzern und Früchten wie Cacau-Fußcreme, Maracuja-Öl, Paranuss-Shampoo oder Andiroba-Seife. Produkte der Firma Natura gibt es in den meisten Flughäfen.

Delikatessen

Das brasilianische Lebensgefühl fasziniert die meisten Reisenden. Deshalb gehört die Flasche Zuckerrohrschnaps für die Caipirinha zu den beliebtesten Souvenirs. Den einfachen cachaça gibt es für wenig Geld, die edleren, in Holzfässern gereiften Tropfen können jedoch teuer werden. Gut mitnehmen können Sie auch geröstete Cashewnüsse, wie sie häufig am Strand verkauft werden, und cocada, eine aus Kokosnuss und Zucker gemachte Süßigkeit.

Kunsthandwerk & Design

Jede Region Brasiliens hat ihr besonderes Kunsthandwerk, ob es nun Tonarbeiten, Holzschnitzereien, Klöppelarbeiten, Web- und Flechtwaren oder naive Malerei sind. Die Kreativität der oft einfachen Künstler überrascht immer wieder – sei es in den detailreichen kleinen Bildern, dem aus alten Dosen gemachten Blechspielzeug oder den Szenen, die mit den Tonfiguren dargestellt werden. Im Amazonasgebiet kann man sehr schönen Indianerschmuck kaufen, Ketten und Armbänder, die aus farbigen Samen gemacht werden. Vorsicht jedoch beim Einkauf von Federschmuck, damit es keine Überraschungen bei der Einreise nach Deutschland gibt, da einige Federn aus Artenschutzgründen nicht eingeführt werden dürfen.

Musik & Video

Musik und Tanz gehören zum Alltag der meisten Brasilianer. Jede Region hat ihre eigenen Musikstile und -traditionen, die wiederum in die moderne Musik eingehen. CDs mit brasilianischer Musik von Samba und Pagode, Funk- und Axé-Musik bis zu MPB und Country – das Spektrum ist riesig und in jedem Plattenladen zu finden. Wer nicht nur passiv hören möchte, sondern selbst Spaß an Instrumenten hat, der sollte in einen Laden mit Musikinstrumenten gehen: Hier gibt es pandeiros (Tamburine), Trommeln mit Leder- und Plastikfellen, reco-recos, die schnarrende Geräusche von sich geben, jammernde quicas und agogôs, die Doppelglocken, oder berimbaus, die Musikbögen mit Kalebasse, die bei der Capoeira zum Einsatz kommen. Wer sich an all die wunderbaren Percussioninstrumente nicht herantraut, der kauft einen Regenstock (pau-de-chuva), ein mit Muscheln oder Samen gefülltes hohles Holzstück.

Schmuck

Steine

So bunt sich der Alltag präsentiert, so farbig sind auch die Steine, die aus der roten Erde geholt werden. Brasilien besitzt Edel- und Halbedelsteine in allen Farben: Aquamarine oder Smaragde, Turmaline und Topase, aber auch Amethystdrusen und Versteinerungen. Wer mehr investiert, sollte dies bei einem renommierten Juwelier wie H. Stern machen.

Mode

Strandmode

Bikinis gibt’s in allen Farben, Kombinationen, Schnitten, Größen. Etwas Po sieht man immer, denn so große Hosen wie in Europa tragen hier nicht mal die Omas. Wem das zu frivol ist, der schlingt sich eine kanga, ein Strandtuch, um die Hüften. Zum perfekten Outfit gehören Gummi-Flipflops. Und wer zu Hause ins Sportstudio geht, wird die körperbetonten Tops und Leggins lieben, die auch in den Bademodenläden verkauft werden.

Spezialitäten

Acarajé Teigbällchen aus zerstoßenen Bohnen, Nüssen und Krabben, die in Dendê-Öl gebacken werden; in Bananenblättern gekocht heißt das ganze abará
Aipim Maniokwurzeln, gekocht oder frittiert
Beiju (Tapioca) aus Maniokflocken gemachte Fladen, die gefüllt werden
Bolinho de bacalhau frittierte Stockfischbällchen
Caldeirada (Peixada) Fisch- oder Meeresfrüchteeintopf
Caldo verde Kartoffelsuppe mit Kohl und Würstchen
Camarão alho e oleo mit Knoblauch frittierte Gambas
Carne do sol getrocknetes Rindfleisch
Caruru Okraschoten mit getrockneten Krabben und Cashewnüssen
Cozido mit vielen verschiedenen Gemüsen zusammen geschmortes Fleisch
Cuzcuz Pudding aus Mais- oder Maniokmehl
Farofa geröstetes Maniokmehl mit Butter, Speck oder Bananen
Galeto gegrilltes Hühnchen
Leitão Pururuca gegrilltes Spanferkel
Maniçoba deftiger Eintopf mit Maniokblättern und Fleisch
Mingau heißer, flüssiger Brei aus Mais oder Maniok
Moqueca Fisch- oder Meeresfrüchteeintopf, gekocht mit Tomaten, Paprika und Koriander in Kokosmilch und Palmöl; ohne Dendê-Öl heißt das Gericht ensopado
Pamonha süßer Maisteig, gekocht in Maisblättern
Pão de queijo aus Maniokstärke gebackene Käsebrötchen
Pato no Tucupi gebratene Ente im Saft frischer Maniokwurzeln
Picanha beliebtes Stück Rindfleisch mit Fettrand (Tafelspitz), meist vom Grill
Pirão Brei aus Maniokmehl, der mit Sud angerührt wird
Quibe (Kibe) frittierte Fleischbällchen arabischen Ursprungs
Rabada geschmorter Ochsenschwanz
Vatapá Creme aus zerstoßenen Erd- und Cashewnüssen und getrockneten Krabben
Stichworte

Amazonas

Mit 6800 km ist der Amazonas neuesten Messungen zufolge der längste Fluss der Welt. Bevor der Fluss aber überhaupt den Namen Amazonas trägt, hat er schon über die Hälfte seines Weges aus den peruanischen Anden zurückgelegt. Das größte Frischwasserreservoir des blauen Planeten wird aus über 1100 Zuflüssen gespeist, 17 davon sind über 1600 km lang. Eine Wassertiefe von über 60 m ermöglicht es selbst Ozeanriesen, 3720 km flussaufwärts zu fahren. An seiner engsten Stelle, in Óbidos, ist der Fluss noch immer 2 km breit; an seiner Atlantikmündung in Belém öffnet sich ein 330 km breites Delta. Das Amazonasbecken beherbergt das größte Regenwaldgebiet der Welt, in dem ein Drittel aller bekannten Pflanzen- und Tierarten zu Hause ist. Drei Viertel der Fläche Amazoniens, mit rund 5,8 Mio km2 eine Fläche so groß wie ganz Europa ohne Russland, liegen in Brasilien. Seit den 1970er-Jahren sind große Flächen tropischen Regenwalds durch legale und illegale Rodungen verlorengegangen. Strengere Umweltgesetze und eine konsequentere Anwendung der Gesetze konnten die Geschwindigkeit der Zerstörung in den letzten Jahren zumindest etwas verringern.

Bevölkerung

Brasilien hat eine bunt durchmischte Bevölkerung. 5–6 Mio. Indianer sollen im Gebiet des heutigen Brasilien gelebt haben, als die Portugiesen das Papageienland in Besitz nahmen. In der Folgezeit wurden rund 5 Mio. afrikanische Sklaven ins Land gebracht. Die meisten europäischen Einwanderer stammten aus Portugal, Italien, Spanien und Deutschland. Dazu kamen die japanischen Immigranten. So wundert es nicht, dass die Brasilianer 143 Bezeichnungen für die Selbsteinschätzung ihrer Hautfarbe bei der Volkszählung fanden. Die trockene Statistik fasst zusammen: 47 Prozent weiße, 43 Prozent farbige, 7,6 Prozent schwarze Brasilianer, 2 Prozent sind asiatischer und 0,3 Prozent indianischer Abstammung. Die über 200 Indianergruppen leben weit verstreut und sprechen verschiedene Sprachen.

Candomblé

Die afrikanischen Sklaven brachten ihren Glauben mit in die Neue Welt. Als Candomblé bezeichnet man die religiösen Praktiken zu Ehren der afrikanischen Götter, die je nach ihrer Herkunft Orixás oder Voduns (bei den Yoruba und Jeje aus Westafrika) und Inquices (bei den Bantu aus Angola) genannt werden. Die Sklaven wurden von den Kolonialherren zwangsgetauft. Das verhinderte nicht, dass sie weiter ihren Göttern huldigten, im Notfall „versteckt“ hinter dem Bild eines katholischen Heiligen. So entstand der Synkretismus, wie man die Vermischung verschiedener Religionen nennt. Als Umbanda bezeichnet man die Vermischung afrikanischer Götter mit katholischen Heiligen und dem Spiritismus – verbreitet in Rio de Janeiro und im Süden. Wer von Macumba spricht, meint meist schwarze Magie.

Capoeira

Kampf und Tanz, Gesang und Percussion, Improvisation und Akrobatik vereinen sich in der Capoeira, ursprünglich eine Kampftechnik, mit der die Sklaven unter dem Deckmantel von Musik und Tanz ihren Körper stählten. Bei einem Capoeira-Spiel stehen zwei Kontrahenten innerhalb eines Kreises und versuchen, ihr Gegenüber mit schwingenden Schritten, Tritten und Schlägen, echten und angedeuteten, zu dominieren. Das Geschehen in der roda, dem Kreis, wird bestimmt vom berimbau, dem mit einer Metallsaite gespannten Musikbogen mit der Kalebasse. Zum Capoeira-Orchester gehören außerdem die atabaque genannte Fasstrommel und das Schellentamburin. Die Umstehenden singen Lieder und klatschen den Rhythmus.

Favelas

Favelas heißen die planlos wachsenden, illegalen Wohnviertel der armen Brasilianer in den Städten. Aus dem Canudos-Krieg (1897) im Nordosten nach Rio de Janeiro zurückgekehrte Soldaten siedelten sich auf einem Hügel in der Nähe des Zentrums an, der als Morro da Favela bekannt wurde. Die meisten Favelas in Rio de Janeiro liegen bis heute an den Berghängen, in anderen Städten breiten sie sich in der Ebene aus. Große Probleme gibt es, wenn Drogenhändler in den unübersichtlichen Wohngebieten ihre Imperien einrichten. In Rio de Janeiro konnten einige der wichtigsten Favelas inzwischen von der Polizei befriedet werden. Mit groß angelegten Regierungsprogrammen – alles mit Blick auf die bevorstehenden sportlichen Großereignisse – soll fehlende Infrastruktur aufgebaut werden. Angesichts der Dimension der Favelaproblematik werden aber nur punktuelle Verbesserungen zu erwarten sein.

Fussball

Als die Engländer das Spiel mit nach Brasilien brachten, war es nur den weißen Eliten vorbehalten. Heute ist Fußball neben dem Karneval die größte Leidenschaft aller Brasilianer. Pelé und Garrincha, Ronaldinho, Kaká und Neymar – die Brasilianer sind Ballartisten, bekannt für Kreativität, Eleganz und Schlitzohrigkeit im Spiel. Jahrelang wurden die größten Talente nach Europa exportiert. Der neue Star Neymar blieb zunächst noch in seiner Heimat, doch 2014 wechselt auch er zum FC Barcelona. Jede WM ist ein Ereignis, das das ganze Land in Aufregung versetzt. Fünfmal wurde die seleção (die Auswahl) bisher Weltmeister. Bei der WM im eigenen Land ist der Titel fast ein Muss. Der Countdown für 2014 läuft; dann wird das Land im Fußballrausch versinken. Leidenschaft und Talent haben übrigens auch die brasilianischen Fußballfrauen: Fünfmal hintereinander wurde Marta zur besten Fußballerin der Welt gewählt.

Gesellschaft

Die sozialen Gegensätze in Brasilien sind eklatant. Das Land weist noch immer eine der größten Einkommenskonzentrationen weltweit auf. Doch inzwischen hat sich erstmals der Gini-Koeffizient, der die Einkommensverteilung misst, verbessert: Dank des wirtschaftlichen Wachstums und dank Bolsa Família, eines breit angelegten Programms von Transferzahlungen, begonnen unter Präsident Lula. Dennoch wird die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Gruppen immer tiefer – mit allen negativen Auswirkungen. Die Beseitigung der Kriminalität, zusammen mit einer umfassenden Reform des Bildungssystems, gehört zu den größten Herausforderungen für Brasilien.

Gold & Barock

Zu Beginn des 18. Jhs. wurde im Bergland von Minas Gerais Gold gefunden. Innerhalb weniger Jahre stieg Vila Rica (Ouro Preto) zur größten und reichsten Stadt Amerikas auf. Mit dem Gold wurden Kirchen und Paläste gebaut, in denen sich portugiesische Traditionen mit brasilianischem Talent vermischten. Aleijadinho, das „Krüppelchen“, wurde der geniale Künstler genannt, dessen Skulpturen, Reliefs und Kirchen zum Schönsten des brasilianischen Barock gehören. Der als Sohn einer Sklavin und eines portugiesischen Baumeisters geborene Antônio Francisco Lisboa ließ sich seine Werkzeuge an die Arme binden, als seine Gliedmaßen durch eine Krankheit verstümmelten. Ähnlich arm und besessen durchwühlen bis heute Tausende von Goldgräbern die Erde und Flüsse Brasiliens, hauptsächlich im Amazonasgebiet.

Karneval

Brasilien ist das Land des Karnevals. Die Portugiesen brachten das Entrudo (Fasching) mit in die Neue Welt. Daraus wurde in den Tropen durch den Einfluss der Sklaven und ihrer Nachfahren der farbenprächtigste Karneval der Welt. Ob bei der Parade der Sambaschulen oder im Straßenkarneval – die Zurschaustellung der sprichwörtlichen brasilianischen Lebensfreude ist ein einmaliges Erlebnis. Karneval wird überall etwas anders gefeiert. Höhepunkt in Rio de Janeiro sind die zwei Nächte (So/Mo), in denen die zwölf besten Sambaschulen durch das Sambódromo ziehen. Sie können als Zuschauer auf der Tribüne dabei sein oder sogar bei einer der Sambaschulen mitmachen. Tickets und Infos auf Englisch unter www.rio-carnival.net. Umsonst auf der Straße sind die Umzüge der Karnevalsgruppen im Stadtzentrum, in Santa Teresa, in Copacabana und Ipanema. In den letzten Jahren erlebte der Straßenkarneval eine echte Renaissance – mitfeiern erwünscht (Infos unter www.sebastiana.org.br). Auch in São Paulo (Fr/Sa) und am Amazonas wetteifern die Sambaschulen bei einem Umzug durch ein Sambastadion. Im Nordosten wird der Karneval tagelang auf den Straßen gefeiert. In Salvador herrscht sieben Tage lang Ausnahmezustand: Riesige Trios Elétricos – so heißen die von Sattelschleppern gezogenen fahrbaren Bühnen, auf denen Musikgruppen spielen – schieben sich durch die Straßen. Begleitet werden sie von Tausenden Tanzenden in den jeweiligen Blocos. Entlang der Karnevalsmeilen sind riesige Tribünen aufgebaut, camarotes genannt, von denen man dem Treiben auf der Straße zuschauen kann. Karten für Blocos und Camarotes gibt es bei www.centraldocarnaval.com.br. Viele kleinere Musik- und Karnevalsgruppen, darunter auch Blocos Afros und traditionelle Blaskapellen, präsentieren sich im Pelourinho-Viertel – familiärer, entspannter, aber nicht weniger ausgelassen.

Auch in Olinda und Recife wird auf der Straße gefeiert. Auf einer Bühne am Ponto Zero in der Altstadt Recifes präsentieren sich jede Nacht Frevo-, Maracatu- und Mangue-Beat-Gruppen. Das Treffen der riesigen Pappmachépuppen ist einer der Höhepunkte des Karnevals in den engen Gassen von Olinda. Hier ist der Karneval noch weniger kommerzialisiert als in den anderen Karnevalshochburgen. Wer will, kann mitmachen.

Musik

Samba und Bossa Nova haben die brasilianische Musik weltberühmt gemacht. Im Alltag werden Sie sehen, dass immer irgendwo jemand singt, spielt, trommelt, tanzt. Musik gehört einfach dazu, ganz gleich ob intelektuelle MPB (Música Popular Brasileira), seelenvolle Sertanejo-Musik (die Country-Musik Brasiliens aus dem Sertão), poppige Axé-Music aus Bahia, Romantikschmelz, Funk und Rap, fetziger Forró oder eindeutig zweideutiger Pagode. Jede Region hat ihre eigenen Musikstile und ihre eigenen Stars.

Rassismus

Obwohl die brasilianische Bevölkerung eine wilde Mischung von Menschen unterschiedlichster ethnischer Herkunft ist, gibt es Rassendiskriminierung. Das wollten die Brasilianer lange selbst nicht wahrhaben, aber die statistischen Daten belegen die großen sozialen Diskrepanzen zwischen Brasilianern heller und dunkler Hautfarbe. Das vorherrschende Schönheitsideal orientiert sich an Nordeuropa: lange, glatte Haare, am besten blond, nicht allzu dunkle Haut und helle Augen. Inzwischen ist das (Selbst-)Bewusstsein der Afrobrasilianer jedoch gewachsen. Statt die Haare zu glätten, tragen die Jugendlichen Black-Power- oder Flechtfrisuren und Rastazöpfe. Rassismus wird strafrechtlich verfolgt, und an den meisten öffentlichen Universitäten z. B. gibt es Quotenregelungen.

Religion

Bei aller Lockerheit der Brasilianer: Die Religion spielt im täglichen Leben eine wichtige Rolle. Bis heute ist Brasilien die größte katholische Nation der Welt, deren Bischöfe selbstbewusst auftreten. Aber der katholischen Kirche laufen die Gläubigen in Scharen davon, am häufigsten zu einer der modernen Pfingstkirchen, wo das persönlilche Seelenheil vor allem gegen finanzielle Beteiligungen zu haben ist. Die Vermischung der religiösen Traditionen, insbesondere der afrikanisch-animistischen mit den katholischen – der Synkretismus –, ist seit Jahrhunderten typisch für Brasilien. Es ist nicht ungewöhnlich, mehrfach den Glauben zu wechseln.

Wirtschaft

Brasilien verkauft heute Flugzeuge und Trucks, produziert Erdöl und Biotreibstoffe, exportiert Soja und Orangensaftkonzentrat. Der wirtschaftliche Reichtum konzentriert sich allerdings in den Städten des Südostens und des Südens. Und dennoch: Der Wirtschaftsboom hat ganz Brasilien erfasst. Über 20 Mio. Brasilianer sind im vergangenen Jahrzehnt in die Mittelschicht aufgestiegen. Es wird konsumiert wie verrückt. Der riesige Binnenmarkt ist auch für ausländisches Kapital interessant. São Paulo beispielsweise gilt als größte „deutsche“ Industriemetropole.

Zucker

Wirtschaftlich interessant wurde Brasilien seinerzeit erst, als es den portugiesischen Besatzern gelang, Zuckerrohr anzubauen. Für die harte Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern holten sie Afrikaner als Sklaven nach Brasilien, die später auch im Bergbau, auf den Kaffee- und Kakaoplantagen eingesetzt wurden. Zwei Jahrhunderte lang blieb Brasilien der größte Zuckerproduzent der Welt; bis heute ist das Land weltweit der größte Kaffeeproduzent. Zu Beginn des dritten Jahrtausends steht Zucker nun erneut im Mittelpunkt des internationalen wirtschaftlichen Interesses: diesmal zur Produktion von Bioethanol, das als kostengünstiger Treibstoff gilt.

Bloss nicht!

Ungepflegt an die Öffentlichkeit gehen

Es wird Ihnen auffallen, dass die meisten Brasilianer, wenn sie auf die Straße gehen, wie aus dem Ei gepellt aussehen. Gammellook ist allenfalls in Rio oder São Paulo und nur mit der „richtigen“ Markenkleidung angesagt, ansonsten machen sich die Brasilianer eher schick. Bevor man auf die Straße geht, wird geduscht und frische Kleidung angezogen, Haare gekämmt und Parfüm aufgesprüht – so machen es schon die Kleinsten auf dem Weg zum Kindergarten. Deshalb riecht es morgens im Gedränge eines Stadtbusses oder abends im Tanzschuppen nach Seife und Parfüm und nicht nach Schweiß. Letzteres würde unangenehm auffallen, ebenso wie schmuddelige Kleidung.

Mit teurem Schmuck unterwegs sein

In kaum einem Land werden Ausländer so herzlich aufgenommen wie in Brasilien. Andererseits ist die Sicherheit eines der größten Probleme des Landes. Am besten haben Sie möglichst keine Wertsachen dabei, also keine teure Uhr, kein Schmuckstück, an dem das Herz hängt. Die Kamera muss nicht locker am Handgelenk baumeln. Etwas Bargeld in einer Innentasche und eine Kopie der wichtigen Dokumente reicht, um sich auf der Straße zu bewegen. Gelegenheit macht Diebe – auch in Brasilien. Sollten Sie tatsächlich überfallen werden, leisten Sie auf keinen Fall Gegenwehr, sondern bleiben Sie ganz ruhig und geben alles her! Und lassen Sie sich durch Ihr Gefühl leiten: Wenn die Gasse finster und menschenleer ist, lieber meiden, als es drauf ankommen zu lassen. Sollten Sie im Karneval oder bei anderen Festen in Menschenaufläufe geraten, freundlich lächeln. So kann man in Brasilien eine Beziehung zu den Mitmenschen herstellen – die meisten sind Ihnen wohlgesonnen.

Nackt am Strand liegen

Auch wenn es auf den ersten Eindruck anders erscheint: In Brasilien gibt es ungeschriebene Regeln der Strandbekleidung. Knapp darf es sein, aber nicht ohne. Nudistenstrände sind eine Seltenheit, und oben ohne geht allenfalls am Posto 9 in Rio. Umziehen am Strand hinter vorgehaltenem Handtuch ist ebenso unüblich wie Stringtangas für Männer. Und noch etwas: Mit Strümpfen in Sandalen erkennt Sie jeder als Tourist.

Aufregen

Bleiben Sie immer ruhig und freundlich, auch wenn es mal länger dauert, es laut wird oder irgendetwas schiefläuft. Auch wenn Sie vollkommen im Recht sind: Versuchen Sie, gemeinsam mit dem Gegenüber zu einer Lösung zu kommen. Brasilianer möchten ihr Gesicht wahren und weichen Konflikten lieber aus, als es drauf ankommen zu lassen. Dafür finden sie auch dann noch eine Lösung, wo es eigentlich keine gab. Ist das Problem beseitigt, freut man sich zusammen darüber.

Einreisebestimmungen für deutsche Staatsbürger

In den letzten Monaten sind auch bei Reisenden, insbesondere in den Bundesstaaten Minas Gerais, Rio de Janeiro und São Paulo, vermehrt Fälle von Gelbfieberinfektionen aufgetreten.
Brasilien verlangt bei der Einreise aus Europa zwar keinen Nachweis einer Gelbfieberimpfung, diese wird jedoch allen Reisenden ab dem vollendeten 9. Lebensmonat spätestens 10 Tage vor Einreise nach Brasilien dringend empfohlen, siehe Medizinische Hinweise.
Für eine Weiterreise von Brasilien nach Bolivien, Ecuador, Französisch Guyana, Kolumbien, Peru und Venezuela ist die Gelbfieberimpfung als Einreisevoraussetzung vorgeschrieben.

Wegen der aktuellen politischen Lage in Brasilien werden weiterhin - auch unangekündigt - Demonstrationen erwartet, bei denen teilweise gewalttätige Ausschreitungen nicht ausgeschlossen werden können. Dies gilt insbesondere für die Hauptstadt Brasilia, São Paulo, Rio de Janeiro sowie daneben für andere Großstädte des Landes.
Es wird empfohlen, Menschenansammlungen zu meiden und sich über die Reise- und Sicherheitshinweise und die Medien informiert zu halten.

Vor dem Hintergrund verstärkt auftretender Gewaltakte in den Favelas Rio de Janeiros wird von Besuchen von Favelas dringend abgeraten.

Jedes Jahr reisen Tausende deutscher Urlauber und Geschäftsreisender nach Brasilien, die allermeisten davon ohne Zwischenfälle. Um mögliche Schwierigkeiten zu vermeiden, sollten die folgenden Hinweise beachtet werden:

Kriminalität

Die Gefahr, Opfer eines Raubüberfalls oder eines anderen Gewaltverbrechens zu werden, ist in Brasilien erheblich höher als in Westeuropa. Besonders Großstädte wie Belém, Porto Alegre, Recife, Salvador, Fortaleza, São Luiz, Maceio, Rio de Janeiro und São Paulo weisen hohe Kriminalitätsraten auf. Grundsätzlich ist Vorsicht angebracht, auch in als sicher geltenden Landes- oder Stadtteilen. Besonders stark von Kriminalität und Gewalt betroffen sind Armensiedlungen (Favelas). Von Favela-Besuchen wird daher dringend abgeraten. Diese Gebiete werden teilweise von Kriminellen und Drogenbanden kontrolliert. Bewaffneten Auseinandersetzungen, auch mit der Polizei, fallen häufig auch Unbeteiligte zum Opfer.

Eine Häufung krimineller Zwischenfälle ist vor allem in weniger belebten Straßen der Innenstädte, an Stränden sowie auf Zubringerautobahnen zu den Flughäfen zu verzeichnen. In größeren Flughäfen können Taxis auch schon im Flughafengebäude gebucht und bezahlt werden, was mit höherer Sicherheit verbunden ist. Bei der Reise sollten Ausweispapiere nicht im Gepäck aufbewahrt sondern am Körper getragen werden. Am Zielort ist es empfehlenswert, Originale der Ausweispapiere im Safe des Hotels zu lassen und nur Kopien und eine Broschüre/Visitenkarte des Hotels mit sich zu führen. Laptops sollten unauffällig, z.B. in einer verschließbaren Reisetasche, verstaut oder auch in den Safe gelegt werden.

Es wird empfohlen, beim Straßenbummel und bei Ausflügen auf auffällige Kleidung, Uhren und (Mode-) Schmuck zu verzichten und Geld und Wertsachen (Kameras, Uhren, Smartphones etc.) nur im erforderlichen Umfang mitzunehmen und verdeckt zu tragen. Bei Überfällen sollte kein Widerstand geleistet werden. Die oft unter Drogeneinfluss stehenden Täter sind in aller Regel bewaffnet und schrecken vor Gewaltanwendung auch aus nichtigem Anlass nicht zurück. Es ist ratsam, stets einen geringeren Geldbetrag zur widerstandslosen Herausgabe mitzuführen.

Auf Straftaten im Umfeld der Prostitution (Diebstähle, Raub, Überfälle etc.) wird besonders hingewiesen. Berüchtigt ist die Verabreichung von Getränken mit Schlaf- bzw. willensverändernden Mitteln. Es wird dringend empfohlen, vor allem in Bars und anderen Lokalitäten Getränke nie unbeaufsichtigt zu lassen. Von der Mitnahme von Prostituierten oder flüchtigen Bekannten in das eigene Hotelzimmer wird ausdrücklich abgeraten.

Zur Verringerung des Risikos, Opfer eines - nicht selten auch vorgetäuschten - Verkehrsunfalls oder Fahrzeugraubs zu werden, sollte von Überlandfahrten in der Nacht abgesehen werden. Insistieren Sie nicht auf Ihr Vorfahrtsrecht. Im Stadtverkehr sollten die Fenster des Fahrzeugs geschlossen, die Türen verriegelt und Wertgegenstände außer Sichtweite verstaut werden. An Ampeln und im stockenden Verkehr wird zur besonderen Vorsicht geraten. Bei drei- oder mehrspurigen Straßen empfiehlt es sich, die mittlere Spur zu nutzen.

Zur Hauptverkehrszeit kommt es in überfüllten Bussen und Zügen häufiger zu Taschendiebstählen.
Insbesondere nachts sind Taxis öffentlichen Verkehrsmitteln vorzuziehen.

Weiterhin wird vereinzelt von Überfällen bei auch geführten Bootsfahrten im Amazonasgebiet berichtet. Auch hier gilt, auf die Mitnahme von Wertgegenständen zu verzichten und keine Gegenwehr zu leisten.

Reisenden wird empfohlen, stets ein Ausweisdokument (in Kopie) mit sich zu führen und den Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu folgen.

Demonstrationen

In Brasilien finden - zumeist in den großen Städten - immer wieder unerwartet Demonstrationen statt, die in der Vergangenheit vereinzelt zu Ausschreitungen geführt haben. Es wird empfohlen, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten und sich besonders umsichtig zu verhalten. Die Medienberichterstattung sollte aufmerksam verfolgt werden.

Hinweise für Rio de Janeiro

In ganz Rio de Janeiro, auch in den beliebten Stadtvierteln Copacabana, Ipanema, Leblon, Botafogo, Santa Teresa und im Ausgehviertel Lapa ereignen sich immer wieder Diebstähle und Überfälle, auch tagsüber. Die Täter, die teilweise in Gruppen agieren, haben es insbesondere auf Mobiltelefone, Schmuck, Scheckkarten und Bargeld abgesehen. Nach Einbruch der Dunkelheit ist vermehrte Wachsamkeit geboten.

Das Zentrum (Centro) Rios ist nach Geschäftsschluss am Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen unbelebt und nicht sicher. Die oft menschenleeren Straßen der Innenstadt sollten daher am Wochenende, feiertags und nachts gemieden werden.

Von nächtlichen Strandspaziergängen wird dringend abgeraten.

Vor dem Hintergrund immer wieder aufflammender Schusswechsel, bei denen oft auch Unbeteiligte zu Schaden kommen, wird von einem Besuch aller Favelas von Rio de Janeiro, auch derjenigen im Bereich der Südzone und des Zentrums, dringend abgeraten.

Wanderungen in den Naturparks in und außerhalb der Stadt sollten nach Möglichkeit nur in Gruppen und auf markierten und belebten Wegen unternommen werden.

Hinweise für São Paulo

In São Paulo ist das historische Stadtzentrum um die Praça da Sé (vor der Kathedrale) unter der Woche nachts sowie nach Geschäftsschluss am Wochenende unbelebt und nicht sicher; gleiches gilt für die Gegend um die belebte Metro-Station "Estaçao da Luz", die man zu den genannten Zeiten meiden sollte. Im Stadtzentrum gibt es viele Obdachlose, die zum Teil drogensüchtig sind und Passanten zuweilen belästigen.

Auch bewaffnete Überfälle und Blitzentführungen in bevorzugten, besseren Wohngegenden haben zugenommen und führen nicht selten zu Schusswechseln mit privaten Sicherheitskräften oder Polizisten (häufig auch in Zivil), auch tagsüber, so dass erhöhte Aufmerksamkeit im gesamten Stadtgebiet angezeigt ist.

Hinweise für Recife und den Nordosten

Auf Grund der in den letzten Jahren häufiger auftretenden gezielten Überfälle auf Busse wird empfohlen, im Stadtgebiet von Recife die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden und grundsätzlich Taxis oder Uber zu benutzen. Bewaffnete Überfälle auf Überlandbusse sind auch keine Seltenheit im Nordosten und daher ist besondere Vorsicht geboten. Nachtfahrten in Überlandbussen sollten vermieden werden.

Drogenkuriere

Reisende werden gegen ihren Willen und in Unkenntnis als "Drogenschmuggler" missbraucht. Vor Lockangeboten z.B. über das Internet, um auf Kosten anderer eine Reise durchzuführen, wird gewarnt, ebenso sollten Reisende kein Gepäck für Fremde mitnehmen und den Inhalt des eigenen Gepäcks kontrollieren, siehe auch Besondere strafrechtliche Vorschriften.

Krisenvorsorgeliste

Deutschen Staatsangehörigen wird empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen, um im Notfall eine schnelle Kontaktaufnahme zu ermöglichen.

Weltweiter Sicherheitshinweis

Es wird gebeten, auch den weltweiten Sicherheitshinweis zu beachten.

Sprache

Eine Verständigung in deutscher Sprache ist in der Regel nicht möglich. Auch englische Sprachkenntnisse sind außerhalb der großen Hotels und Touristenschwerpunkte wenig verbreitet. Spanisch wird im Süden Brasiliens teilweise verstanden. Auch nur rudimentäre Portugiesisch-Kenntnisse werden dankbar angenommen und sind in jedem Falle hilfreich.

Flugverkehr

Aus Deutschland kommend, muss Fluggepäck am brasilianischen Eingangsflughafen (Rio de Janeiro, São Paulo, Salvador, Recife, Brasilia etc.) entgegengenommen und für eine evtl. Weiterreise zum Reiseziel erneut aufgegeben werden. Eine Durchbeförderung erfolgt nicht, auch wenn dies bei der Gepäckaufgabe in Deutschland häufig behauptet wird.

Führerscheine, Alkohol im Straßenverkehr

Für das Führen von Fahrzeugen in Brasilien bei touristischen Aufenthalten genügt grundsätzlich ein deutscher Führerschein sowie ein zusätzlicher Identitätsnachweis (Reisepass). Zur Vermeidung von Missverständnissen und Verständigungsproblemen wird jedoch empfohlen, neben dem nationalen deutschen Führerschein einen internationalen deutschen Führerschein oder eine beglaubigte portugiesische Übersetzung des deutschen nationalen Führerscheins, mit zu führen.
Lediglich für die alten grauen Führerscheine ist das Mitführen einer beglaubigten Übersetzung zwingend vorgeschrieben. Für die Führerscheine der Klassen C, D und E ist zu beachten, dass in Brasilien ein Mindestalter des Führerscheininhabers von 21 Jahren verlangt wird.
Für Fahrzeugführer gilt absolutes Alkoholverbot. Verstöße werden rigoros verfolgt und mit hohen Strafen geahndet.

Geld und Kreditkarten

Die gängigen internationalen Kreditkarten werden landesweit akzeptiert. Bargeldabhebungen mit deutschen Kreditkarten oder mit EC-Maestro Karten sind zwar an entsprechend gekennzeichneten Automaten (u. a. Citibank, Banco24Horas, Banco do Brasil, Bradesco) grundsätzlich weiterhin möglich. Viele Reisende berichten jedoch von Schwierigkeiten.

Daher wird empfohlen sich vor Abreise bei der Bank zu erkundigen, ob Bargeldabhebungen in Brasilien zugelassen sind, und sich nicht ausschließlich auf eine Versorgung mit brasilianischen Reais an Geldautomaten zu verlassen. Üblich sind Begrenzungen des täglich aus Bargeldautomaten ziehbaren Geldbetrages auf zwischen 500,- und 2.000,- Reais (je nach Bank und Region Brasiliens). Alternative Möglichkeiten der Geldversorgung sollten in Betracht gezogen werden. V-Pay-Karten werden im außereuropäischen Ausland nicht akzeptiert.

Bei fehlgeschlagenen Barabhebungen an Bankautomaten ist unbedingt der ausgegebene Bankbeleg aufzubewahren, da manchmal trotzdem eine Belastung des deutschen Kontos erfolgt. Bei Barabhebungen an Geldautomaten wird zur besonderen Vorsicht geraten. Insbesondere ist auf Vorrichtungen zu achten, mit denen die Karten kopiert oder das Eintippen der Geheimzahlen aufgezeichnet werden könnte. Zur Minimierung des Überfall- und Kartenbetrugsrisikos empfiehlt es sich, Bargeld tagsüber und werktags in einer Bankfiliale abzuheben - möglichst innerhalb der üblichen Vorräume, nicht auf der offenen Straße.

Telefonieren/Mobiltelefone

In Brasilien ist bei Ferngesprächen grundsätzlich ein Provider vorzuwählen: innerhalb Brasiliens Provider (z. B. 014 od. 015) + bras. Vorwahl + Tel.; bei Auslandsgesprächen z. B. nach DEU analog: Provider (z. B. 0014 od. 0015)+ 49 + dt. Vorwahl + Tel).
In Brasilien sind die Mobilfunknetze regional organisiert. Um ein brasilianisches Mobiltelefon anzurufen, muss deshalb auch die jeweilige regionale Vorwahl mit gewählt werden.

Schwimmen

Starke Strömungen und gefährliche Fische sind die Hauptursachen für Badeunfälle. Reisende sollten daher entsprechende Warnungen (rote Flagge = Baden verboten) beachten oder Rat von Ortkundigen einholen.

Orientierung

Um einen möglichst sorglosen Aufenthalt in Brasilien zu verbringen, ist es angebracht, sich frühzeitig mit Land und Leuten vertraut zu machen. Auf den folgenden offiziellen brasilianischen Webseiten finden Sie wertvolle Informationen:
Rio de Janeiro (http://visit.rio/)
São Paulo (http://www.spturis.com/v7/index.php)
Brasilien (http://www.visitbrasil.com/)

Versorgung im Notfall

Reisende sollten auf einen ausreichenden Reisekrankenversicherungsschutz achten, der im Notfall auch einen Rettungsflug nach Deutschland abdeckt, siehe auch Medizinische Versorgung.

Reisedokumente

Die Einreise ist für deutsche Staatsangehörige mit folgenden Dokumenten möglich:

Reisepass: Ja

Vorläufiger Reisepass: Ja

Personalausweis: Nein

Vorläufiger Personalausweis: Nein

Kinderreisepass: Ja

Anmerkungen:
Reisedokumente müssen bei Einreise mindestens sechs Monate gültig sein.
Bitte beachten Sie die zusätzlichen Informationen zu den Einreisebestimmungen für Minderjährige.

Alle Reisenden müssen eine Ein- und Ausreisekarte ausfüllen, die normalerweise kurz vor Ankunft in Brasilien an Bord der Flugzeuge, Schiffe oder Busse ausgeteilt wird. Sie kann auch schon vorher von der Webseite der brasilianischen Bundespolizei heruntergeladen werden. Die ausgefüllte und abgestempelte Einreisekarte muss bei der Ausreise wieder vorgelegt werden.

Visum

Seit Inkrafttreten des Abkommens zwischen der und Brasilien am 1. Oktober 2012 dürfen deutsche Staatsangehörige für touristische oder geschäftliche Zwecke nach Brasilien visafrei ein- oder durch Brasilien durchreisen und sich höchstens 90 Tage während eines Sechs-Monats-Zeitraums dort aufhalten. Hierunter fallen
- touristische Aktivitäten,
- Verwandtenbesuche,
- Erforschung kommerzieller Möglichkeiten, Teilnahme an Sitzungen, Vertragsunterzeichnungen sowie finanzielle, managementbezogene und administrative Tätigkeiten,
- Teilnahme an Konferenzen und Seminaren, vorausgesetzt, dass diese Tätigkeiten nicht aus brasilianischen Quelle entlohnt werden (außer der unmittelbaren Übernahme der Aufenthaltskosten oder der Zahlung eines Tagesgeldes),
- Beteiligung an Sport- und Künstlerwettbewerben, vorausgesetzt, dass die Teilnehmer nicht aus brasilianischen Quellen entlohnt werden, auch wenn bei dem Wettbewerb Preise, einschließlich Preisgelder, zu gewinnen sind.

Bei einem von vornherein beabsichtigten Aufenthalt von über 90 Tagen ist unbedingt vor Ausreise ein Visum bei der für den Wohnort zuständigen brasilianischen Auslandsvertretung in Deutschland zu beantragen.

Ebenso sollten sich diejenigen die beabsichtigen, entlohnte Tätigkeiten auszuüben, einer Beschäftigung nachzugehen, in der Forschung tätig zu sein, ein Praktikum oder Studien zu absolvieren, Sozialarbeit zu verrichten, technische Hilfe zu leisten oder missionarisch, religiös oder künstlerisch tätig zu sein, grundsätzlich vor der Einreise bei der zuständigen brasilianischen Auslandsvertretung in Erfahrung bringen, ob für die geplante Reise ein Visum benötigt wird bzw. dort ein Visum beantragen. Die nachträgliche Erteilung eines Visums in Brasilien ist nicht möglich.

Hinweise für die Einreise von Minderjährigen

Brasilianische Minderjährige (auch Doppelstaater), die nicht von beiden Elternteilen oder Erziehungsberechtigten begleitet werden, bedürfen einer entsprechenden Einverständniserklärung des nicht mitreisenden Elternteils bzw. beider Eltern oder Erziehungsberechtigten. Die elterliche Einverständniserklärung muss zur Beglaubigung entweder vor einem brasilianischen Konsularbeamten an einer brasilianischen Auslandsvertretung oder bei einem brasilianischen Notariat (Cartório) abgegebenen werden, sofern sie nicht im brasilianischen Reisepass des/der Minderjährigen vermerkt ist.

Zum Thema "Reisegenehmigung für Minderjährige" werden auf der Webseite der Brasilianischen Botschaft Berlin ausführliche Hinweise zur Verfügung gestellt.

Es wird dringend empfohlen, sich rechtzeitig vor Einreise des Kindes in Brasilien bei der zuständigen brasilianischen Auslandsvertretung zu informieren und die notwendigen Vorkehrungen zu treffen.

Auch wenn die Pflicht zur Vorlage einer Reisegenehmigung nach Auskunft der brasilianischen Botschaft in Berlin auf nicht-brasilianische Minderjährige grundsätzlich nicht zutrifft, ist es dennoch empfehlenswert, dem ohne Begleitung durch die Eltern bzw. ein Elternteil ins Ausland reisenden Kind neben dem erforderlichen Ausweisdokument eine formlose Einverständniserklärung sowie eine Kopie der Ausweisdatenseite des/der Personensorgeberechtigten mitzugeben.

Doppelstaater

Reisende, die neben der deutschen auch die brasilianische Staatsangehörigkeit besitzen, müssen mit dem brasilianischen Reisepass nach Brasilien ein- und ausreisen. Es wird darauf hingewiesen, dass nach Einbürgerung und Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit der spätere Wiedererwerb der brasilianischen Staatsangehörigkeit (z. B. durch Beantragung eines brasilianischen Reisepasses oder Personalausweises) ohne vorherige schriftliche Genehmigung der zuständigen deutschen Behörde automatisch den Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit zur Folge hat.

Einreisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige können sich kurzfristig ändern, ohne dass das Auswärtige Amt hiervon vorher unterrichtet wird. Rechtsverbindliche Informationen und/oder über diese Hinweise hinausgehende Informationen zu den Einreisebestimmungen erhalten Sie nur direkt bei der Botschaft oder einem der Generalkonsulate Ihres Ziellandes.

Gegenstände für den persönlichen Bedarf des Einreisenden, die für die Fahrt oder den Aufenthalt vorgesehen sind, können zollfrei eingeführt werden.

Ein striktes Einfuhrverbot besteht für Drogen, frische Nahrungsmittel und für exportierte brasilianische Alkoholika.

Devisen dürfen unbegrenzt eingeführt werden.

Allerdings müssen Beträge, die den Gegenwert von R$ 10.000,- übersteigen, unabhängig von Währung und Form (bar, Schecks,…) bei der Einreise deklariert werden.

Verschreibungspflichtige Medikamente ebenso wie bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können unter Vorlage des Arztrezeptes, des Namens des Patienten und Medikaments/Ergänzungsmittels eindeutig erkennen lässt, eingeführt werden.

Detaillierte Einfuhrbestimmungen erteilt die brasilianische Receita Federal (Portugiesisch).

Obwohl für Haustiere bei der Einfuhr nach Brasilien eine Quarantänefrist nicht besteht, dürfen Pflanzen und Tiere nur unter bestimmten restriktiven Voraussetzungen nach Brasilien gebracht werden. Die Einfuhr lebender Vögel nach Brasilien ist untersagt.

Nähere Informationen dazu sowie eventuell notwendige Formulare sind auf der Webseite der brasilianischen Botschaft in Berlin zu finden.

Weitergehende Zollinformationen zur Einfuhr von Waren sind bei der Botschaft Ihres Ziellandes erhältlich. Nur dort kann eine rechtsverbindliche Auskunft gegeben werden.
Die Zollbestimmungen für Deutschland können Sie auf der Webseite des deutschen Zolls und per App "Zoll und Reise" finden oder dort telefonisch erfragen.

Drogen

Vor Drogenkonsum und Drogenhandel wird nachdrücklich abgeraten. Drogendelikte, auch die Beförderung von Drogen über die Landesgrenzen werden in Brasilien streng geahndet. Es drohen hohe Strafen, auch für Drogenkuriere, und auch dann, wenn Reisegepäck, Pakete, Geschenke, Warenproben o.ä. für Dritte transportiert werden soll. Seien Sie misstrauisch, insbesondere dann, wenn Ihnen die Reise finanziert werden soll. Haftstrafen müssen regelmäßig - oft unter schwer erträglichen Bedingungen - in Brasilien verbüßt werden.

Sexualstraftaten

Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen wird in Brasilien mit Freiheitsstrafe zwischen vier und zehn Jahren geahndet. Die Täter müssen regelmäßig mit Inhaftierung und Bloßstellung in der Presse rechnen. Darüber hinaus werden solche Taten, wenn sie von Deutschen oder an Deutschen im Ausland begangen werden, auch in Deutschland strafrechtlich verfolgt.

Auch einvernehmliche sexuelle Handlungen mit unter 18-Jährigen sind nach brasilianischem Recht strafbar. In der Vergangenheit führte bereits das Fotografieren von Kindern und Jugendlichen in Badebekleidung am Strand zum Einschreiten der brasilianischen Behörden. Zu besonderer Zurückhaltung in diesem Bereich wird deshalb dringend geraten.

Baden "oben ohne"/Wechseln der Kleidung in der Öffentlichkeit

Baden "oben ohne" gilt in Brasilien als Erregung öffentlichen Ärgernisses; ebenso das Wechseln der Kleidung in der Öffentlichkeit, z. B. am Strand. Beides kann zur Festnahme bzw. einem Gerichtsverfahren führen. Zum Kleidungswechsel sollten daher stets Umkleidekabinen oder andere geeignete Räumlichkeiten aufgesucht werden.

Tier- und Pflanzenschutz

Brasilien verfügt über strenge Strafvorschriften zum Schutz von Flora und Fauna. Verstöße werden von den brasilianischen Behörden konsequent verfolgt und auch mit Haftstrafen geahndet. Besonders streng werden Versuche verfolgt, frei lebende und geschützte Pflanzen und Tiere aus Brasilien zu exportieren. Das gilt für nahezu alle Zierfischarten aus dem Amazonasbecken, für Pflanzensetzlinge und -samen sowie für Insekten und Spinnen (Vogelspinne!). Bereits der Transport geschützter Tiere oder Pflanzen von einem bras. Bundesstaat in einen anderen ist - sofern keine ausdrückliche staatliche Genehmigung vorliegt - strafbar. Angesichts des umfangreichen und damit zwangsläufig unübersichtlichen Katalogs von in Brasilien geschützten Tieren und Pflanzen wird Reisenden geraten, keine Tiere oder Pflanzen/Pflanzensamen zu kaufen, zu sammeln oder auszuführen. Unabhängig davon ist auch die Einfuhr von Pflanzen und Tieren nach Deutschland, die nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt sind, unzulässig bzw. nur mit einer entsprechenden Einfuhrgenehmigung erlaubt. Nähere Informationen zur Einfuhr finden sich auf der Internetseite www.bfn.de.

Besuch von Indianerschutzgebieten

Für Reisen in Indianerschutzgebiete werden vorher bei der FUNAI (Nationale Indianerstiftung) einzuholende Genehmigungen benötigt. Wer ohne eine solche Autorisierung in einem Schutzgebiet angetroffen wird, muss mit Beschlagnahmung seiner Ausrüstung und empfindlichen Strafen rechnen.

Weiterführende Hinweise zu Lebens-, Arbeits- und Reisebedingungen in Brasilien sind auch auf der Website der brasilianischen Botschaft in Berlin zu finden.

Aktuelle medizinische Hinweise
Gelbfieber
Die Gelbfieberübertragungsgebiete mit Infektionen bei Affen und Menschen verschieben sich in Brasilien weiter in die östlichen Landesteile. Aktuelle Fälle und Todesfälle werden bei ungeimpften Reiserückkehrern aus der Küstenregion des Bundesstaates Rio de Janeiro (Ilha Grande, Ilhabela und Angra dos Reis) gemeldet.
Nur noch wenige Gebiete sind derzeit gelbfieberfrei bzw. bisher ohne gemeldete Fälle.
Im November 2017 wurden erstmals Neuerkrankungen auch in den nördlichen Stadtbezirken (Zona Norte) von São Paulo beobachtet. Die Anzahl der bestätigten menschlichen Fälle steigt an, insbesondere in den Bundesstaaten São Paulo, Rio de Janeiro, Minas Gerais und im Hauptstadtdistrikt. Auch europäische und südamerikanische Reisende haben sich bereits infiziert. Es werden große Impfkampagnen in den betroffenen Gebieten durchgeführt.
Bisher wurden alle Infektionen im sog. sylvatischen Zyklus akquiriert, d.h. bei Aufenthalt in bewaldeten Gebieten, ohne dass sich ein urbaner Zyklus (Mensch-Mücke-Mensch-Übertragung, Stadtgelbfieber) etablieren konnte. Siehe auch Disease Outbreak News der .

Zika-Virus-Infektion

In der Region wird seit 2015 eine deutliche Zunahme von durch Mücken übertragbaren Zika-Virus-Infektionen beobachtet, die klinisch ähnlich wie Dengue-Fieber verlaufen, allerdings für ungeborene Kinder eine Gefahr darstellt. Eine Impfung, eine Chemoprophylaxe oder eine spezifische Therapie stehen absehbar nicht zur Verfügung.
Das Auswärtige Amt empfiehlt daher Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) sowie dem Robert-Koch-Institut von vermeidbaren Reisen in Zika-Virus-Ausbruchsgebiete abzusehen, da ein Risiko frühkindlicher Fehlbildungen bei einer Infektion der Frau gegeben ist.
Bei unvermeidbaren Reisen muss auf eine ganztägige konsequente Anwendung persönlicher Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung von Mückenstichen geachtet werden.
Weitere Informationen zur Zika-Virus-Infektion und deren Prävention finden Sie im Merkblatt Zika-Virus.

Impfschutz

Brasilien verlangt bei der Einreise aus Europa keinen Nachweis einer Gelbfieberimpfung.
Der größte Teil Brasiliens ist inzwischen Gelbfieberendemiegebiet, so dass eine Impfung zum persönlichen Schutz dort notwendig wird. Das Ausmaß der betroffenen Regionen in Brasilien ändert sich auch kurzfristig.

Die Impfung wird allen Reisenden ab dem vollendeten 9. Lebensmonat spätestens 10 Tage vor Einreise nach Brasilien dringend empfohlen, solange sie nicht sicher wissen, dass sie ausschließlich in die noch gelbfieberfreien Gebiete im Osten reisen. Die Impfung wird auch für den Besuch der Iguaçu-Wasserfälle empfohlen.
Bei einer Erstimpfung bei Kindern vor dem 2. Lebensjahr, bei Schwangeren oder Immunsupprimierten sollte die Notwendigkeit einer Wiederimpfung mit dem Tropen- oder Reisemediziner besprochen werden.
Die gibt die aktuellen Daten als Information for International Travellers.
Dazu kommt, dass bei anschließender Weiterreise in bestimmte Drittländer (s. www.who.int) der Nachweis eines Impfschutzes dort aus Brasilien kommend bei Einreise erforderlich ist. Es ist zu beobachten, dass die Länder in der Region Süd- und Mittelamerika verstärkte Kontrollen durchführen und sich Einreisebestimmungen ändern.
Für die reisemedizinische Beratung wird empfohlen, bei der Impfindikation den genauen Reiseverlauf der Patienten, die aktuellen epidemiologischen Daten und auch mögliche Weiterreisen zu beachten. Im Zweifel empfiehlt das Auswärtige Amt die Impfung.
Reisende sollten bei Unsicherheit ihren Tropen- oder Reisemediziner kontaktieren.

Das Auswärtige Amt empfiehlt, die Standardimpfungen gemäß aktuellem Impfkalender des Robert-Koch-Institutes für Kinder und Erwachsene anlässlich einer Reise zu überprüfen und zu vervollständigen, siehe www.rki.de.
Dazu gehören auch für Erwachsene die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), ggf. auch gegen Mumps, Masern Röteln (MMR), Influenza und Pneumokokken.
Als Reiseimpfungen werden Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition auch Hepatitis B, Tollwut und Typhus empfohlen.

Dengue-Fieber

Dengue wird in weiten Teilen des Landes durch den Stich der tagaktiven Mücke Aedes aegypti übertragen. Die Erkrankung geht in der Regel mit Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gliederschmerzen einher. 2016 ist ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen beobachtet worden.
In seltenen Fällen treten insbesondere bei Kindern der Lokalbevölkerung zum Teil schwerwiegende Komplikationen, inkl. möglicher Todesfolge, auf. Diese sind jedoch bei Reisenden insgesamt extrem selten.

Chikungunya

Das Chikungunya-Fieber wird inzwischen auch landesweit von Mücken der Gattung Aedes übertragen, insbesondere in den Bundesstaaten Alagoas, Amapa, Amazonas, Bahia, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais, Roraima sowie derzeit besonders schwerwiegend in Rio de Janeiro.
Chikungunya-Fieber kennzeichnet sich durch hohes Fieber und unter Umständen länger anhaltende Gelenkschmerzen. Die klinischen Beschwerden können oft nicht eindeutig von anderen durch Mücken übertragende Erkrankungen (Arbovirosen) unterschieden werden.
Todesfälle sind sehr selten. Den u.g. Hinweis zur Expositionsprophylaxe gilt es zu beachten.
Eine Chemoprophylaxe oder Impfung existiert für keine dieser Virusinfektionen. Ein Merkblatt zu Chikungunya finden Sie unter www.diplo.de/reisemedizin.

Malaria

Die Übertragung erfolgt durch den Stich abend- und nachtaktiver Anopheles-Mücken. Unbehandelt verläuft insbesondere die Malaria tropica nicht selten tödlich. Die Malaria-Erkrankung kann auch noch Wochen bis Monate nach dem Aufenthalt ausbrechen. Beim Auftreten von Fieber in dieser Zeit ist ein Hinweis auf den Aufenthalt in einem Malariagebiet an den behandelnden Arzt notwendig.
Ganzjährig besteht ein hohes Risiko in den Provinzen Acre, Rondônia und Roraima bzw. ein geringes Risiko in Amapà, Amazonas, Maranhao (W), Mato Grosso (N), Parà (außer Belèm City), Tocantins (W) und den Außenbezirken der Städte Pôrto Velho, Boa Vista, Macapà Manaus, Santarém, Maraba, Rio Branco und Cruzeiro do Sul.
Als malariafrei gelten die Ostküste inkl. Fortaleza, Recife, Igauçu und die meisten Stadtzentren.
Je nach Reiseprofil kann im Einzelfall die Mitnahme einer Notfallmedikation sinnvoll sein, deren Auswahl unbedingt vor der Reise mit einem Tropen- bzw. Reisemediziner besprochen werden sollte.

Aufgrund der o.g. Infektionsrisiken durch Mückenstiche wird allen Reisenden, insbesondere Schwangeren, empfohlen, sich konsequent vor Mückenstichen zu schützen. Dazu gehört:

  • körperbedeckende helle Kleidung zu tragen (lange Hosen, lange Hemden, feste Socken),
  • tagsüber (Viruserkrankungen) und in den Abendstunden und nachts (Malaria!) Insektenschutzmittel auf alle freien Körperstellen wiederholt aufzutragen,
  • immer unter einem möglichst imprägnierten Moskitonetz zu schlafen.

Rocky Mountain Spotted Fever

Seit Dezember sind vereinzelte Fälle dieser saisonal durch Zecken übertragenen bakteriellen Infektionskrankheit im Bundesstaat Sao Paulo aufgetreten. In der Regel kommt es zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlägen. In ungünstigen Fällen kann es beim Befall von Lunge, Nieren und dem Gastrointestinaltrakt zu lebensgefährlichen Komplikationen / Blutungen kommen. Bei Aktivitäten im Freien sollte unbedingt auf Schutz vor Zecken (adäquate Kleidung, Repellentien) geachtet werden.

Durchfallerkrankungen

Durch eine entsprechende Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene lassen sich die meisten Durchfallerkrankungen vermeiden. Dies ist besonders wichtig in ländlichen Gebieten und im Norden und Nordosten des Landes.

HIV/AIDS

Durch ungeschützte sexuelle Kontakte, bei Drogenmissbrauch (unsaubere Spritzen und Kanülen) und Bluttransfusionen besteht grundsätzlich das Risiko einer lebensgefährlichen HIV-Infektion. Kondombenutzung wird immer, insbesondere aber bei Gelegenheitsbekanntschaften, empfohlen.

Medizinische Versorgung

Das medizinische Versorgungsangebot ist zumindest in den großen Städten im privaten Sektor überwiegend auf westeuropäischem Standard. Der öffentliche Sektor ist hinsichtlich personeller, apparativer, logistischer und z. T. hygienischer Ressourcen insbesondere in ländlichen Regionen nicht selten defizitär strukturiert.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass regelhaft vor der Aufnahme und Behandlung in Privatkliniken unabhängig einer bestehenden Auslandskrankenversicherung eine Vorauszahlung in bar oder per Kreditkarte zu leisten ist, sonst wird u.U. gar nicht erst mit der Diagnostik oder Behandlung angefangen.

Ein ausreichender, weltweit gültiger Krankenversicherungsschutz und eine zuverlässige Reiserückholversicherung werden dringend empfohlen, ebenso wie vor einer Reise nach Brasilien eine individuelle Beratung durch Tropen- bzw. Reisemediziner (zu Beratungsstellen siehe auch www.dtg.org).

Die deutschen Auslandsvertretungen vor Ort stellen auf Wunsch Listen der ihnen bekannten deutsch- und englischsprachigen Ärzte zur Verfügung. Die Angaben erfolgen aufgrund von Informationen, die den Auslandsvertretungen zum Zeitpunkt der Abfassung vorliegen. Die Hinweise und insbesondere die Benennung der Ärzte sind dabei unverbindlich und ohne Gewähr. Der Patient hat für alle Kosten und Gebühren im Zusammenhang mit dem von ihm selbst erteilten Behandlungsauftrag aufzukommen.

Aktuelle Informationen für Reisende sind auch über folgenden Link des brasilianischen Gesundheitsministeriums im Internet abrufbar, in portugiesischer, spanischer oder englischer Sprache: portalsaude.saude.gov.br/viajante

Bitte beachten Sie neben unserem generellen Haftungsausschluss den folgenden wichtigen Hinweis:

Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der medizinischen Informationen sowie eine Haftung für eventuell eintretende Schäden kann nicht übernommen werden. Für Ihre Gesundheit bleiben Sie selbst verantwortlich.

Die Angaben sind:

  • zur Information medizinisch Vorgebildeter gedacht. Sie ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes;
  • auf die direkte Einreise aus Deutschland in ein Reiseland, insbes. bei längeren Aufenthalten vor Ort zugeschnitten. Für kürzere Reisen, Einreisen aus Drittländern und Reisen in andere Gebiete des Landes können Abweichungen gelten;
  • immer auch abhängig von den individuellen Verhältnissen des Reisenden zu sehen. Eine vorherige eingehende medizinische Beratung durch einen Arzt / Tropenmediziner ist im gegebenen Fall regelmäßig zu empfehlen;
  • trotz größtmöglicher Bemühungen immer nur ein Beratungsangebot. Sie können weder alle medizinischen Aspekte abdecken, noch alle Zweifel beseitigen oder immer völlig aktuell sein.
Einreisebestimmungen für deutsche, schweizerische und österreichische Staatsbürger

Gesundheitsvorsorge

Übersicht

Die medizinische Versorgung im Lande ist, soweit es sich um die größeren Städte handelt, mit der in Europa zu vergleichen. Sie ist auf dem Lande jedoch vielfach technisch, apparativ und/ oder hygienisch problematisch. Deutsch-, französisch- oder englischsprachige Ärzte sind in allen größeren Städten zu finden. Die deutschen Auslandsvertretungen vor Ort stellen auf Wunsch Listen der ihnen bekannten deutsch- und englischsprachigen Ärzte zur Verfügung. Das Hauptkrankenhaus in São Paulo ist das Hospital das Clinicas. Die Kosten der medizinischen Behandlungen sind hoch.

Der Abschluss einer Reisekrankenversicherung und eine zuverlässige Reiserückholversicherung werden dringend empfohlen.

Essen und Trinken

Wasser sollte zum Trinken, Zähneputzen und zur Eiswürfelbereitung entweder abgekocht oder anderweitig sterilisiert werden oder abgepackt gekauft werden. Beim Kauf von abgepacktem Wasser sollte darauf geachtet werden, dass die Original-Verpackung nicht angebrochen ist.

Milch ist außerhalb der Stadtgebiete in der Regel nicht pasteurisiert und sollte abgekocht werden. Trocken- und Dosenmilch nur mit keimfreiem Wasser weiterverarbeiten. Produkte aus ungekochter Milch sollte man meiden. Fleisch- oder Fischgerichte sollten nur gut durchgekocht und heiß serviert gegessen werden. Den Genuss von Schweinefleisch, Mayonnaise und Salat am besten vermeiden. Gemüse sollte gekocht und Obst geschält werden.

Impfungen

Titel Besondere Vorsichtsmaßnahmen Gesundheitszeugnis erforderlich
Essen & Trinken - -
Malaria 4 -
Typhus & Polio 3 Nein
Cholera 2 -
Gelbfieber 1 -

Anmerkungen Impfungen

[1] Eine Impfbescheinigung gegen Gelbfieber wird bei Einreise aus Europa zurzeit nicht verlangt. Ein internationales Impfzertifikat gegen Gelbfieber wird von Reisenden verlangt, die älter als 9 Monate alt sind und aus Angola und der Demokratischen Republik Kongo kommen.

Unabhängig von den offiziellen Impfbestimmungen wird eine Gelbfieber-Impfung für alle Reisenden nach Brasilien von der WHO empfohlen. Eine Liste der Gelbfieber-Endemiegebiete ist unter www.who.int zu finden.

[2] Eine Impfbescheinigung gegen Cholera ist für die Einreise nicht erforderlich, das Risiko einer Infektion besteht jedoch. Da die Wirksamkeit der Schutzimpfung umstritten ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig vor Antritt der Reise ärztlichen Rat einzuholen. Die Infektionsgebiete liegen in den Staaten Alagoas, Bahia, Paraíba, Pernambuco und Sergipe.

[3] Typhus kommt vor. Eine Impfung wird bei Rucksackreisen und Langzeitaufenthalten empfohlen.

[4] Die weniger gefährliche Malaria-Art Plasmodium vivax und die gefährlichere Form Plasmodium falciparum herrschen vor. Es gibt weitaus mehr Infizierungen mit Plasmodium vivax als mit Plasmodium falciparum. Die weniger häufig vorkommende Form Plasmodium falciparum ist gegen Chloroquin- und Sulfadoxin/Pyrimethamin äußerst resistent. Empfohlen wird der Impfstoff Mefloquine.

Malariaschutz ist ebenfalls ganzjährig erforderlich in den meisten bewaldeten Gebieten unter 900 m. Es besteht ein hohes Malariarisiko in Amapà, Amazonas, Maranhao (W), Mato Grosso (N), Parà (außer Belèm City), Tocantins (W) und den Außenbezirken der Städte Pôrto Velho, Boa Vista, Macapà Manaus, Santarém, Maraba, Rio Branco und Cruzeiro do Sul.

Gesundheitszeugnis

Für eine Arbeitserlaubnis sind ein Gesundheitszeugnis sowie ein negativer HIV-Test in deutscher und portugiesischer Sprache erforderlich.

Andere Risiken

Die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Standardimpfungen für Kinder und Erwachsene (u.a. gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Mumps, Masern, Röteln, Pneumokokken und Influenza) sollten vor der Reise ggf. aufgefrischt werden.

Bilharziose-Erreger kommen in manchen Teichen und Flüssen vor. Herdförmiges Vorkommen im Norden und Osten, im Mato Grosso und Amazonasbecken. Das Schwimmen und Waten in Binnengewässern sollte daher vermieden werden. Gut gepflegte Schwimmbecken mit gechlortem Wasser sind unbedenklich.

Chikungunya kommt in einigen Bundesstaaten (ländlichen Gebieten) von Brasilien vor. Es wird deshalb ein ausreichender Schutz gegen Mücken empfohlen. 

Während des Sommers muss vor allem im Süden Brasiliens, insbesonders in den Bundesstaaten Rio de Janeiro und Sao Paulo, wieder mit neuen Ausbrüchen von Dengue-Fieber gerechnet werden. Im Norden besteht ein ganzjährigen Risiko; dort sind vor allem die Staaten Ceara, Bahia, Maranhao, Paraiba, Pernambuco und Piaui betroffen. Schutz vor tag- und nachtaktiven Überträgermücken beachten.  

Landesweit tritt vereinzelt die durch Insekten verursachte Filariose auf. Schutz bieten hautbedeckende Kleidung und insektenabweisende Mittel. 

Hepatitis A und Hepatitis B kommen vor. Eine Hepatitis A-Schutzimpfung wird generell empfohlen. Die Impfung gegen Hepatitis B sollte bei längerem Aufenthalt und engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sowie allgemein bei Kindern und Jugendlichen erfolgen. Vorkommen von Hepatitis B vor allem im Amazonasbecken.

HIV/Aids ist eine Gefahr für alle, die Infektionsrisiken eingehen: Ungeschützte Sexualkontakte, unsaubere Spritzen oder Kanülen und Bluttransfusionen können ein erhebliches Gesundheitsrisiko bergen.

Leishmaniose kommt landesweit, besonders aber in der Küstenregion vor. Auch hier empfiehlt sich ein Insektenschutz.

Epidemische Ausbrüche der Meningokokken-Meningitis kommen vor allem in den Slums der östlichen Großstädte vor. Um sich zu schützen, sollte man sich impfen lassen.

Fälle der Pest sind vereinzelt im Nordosten in Bahia und Paraiba aufgetreten. Der Schutz vor Ratten und Flöhen durch sichere Schlafplätze und häufigeren Wäschewechsel sowie das Fernhalten von bereits Erkrankten reduzieren die Ansteckungsgefahr. Bei beruflich in Pestgebieten Tätigen empfiehlt sich die prophylaktische Einnahme von Antibiotika.

Tollwut kommt landesweit vor. Überträger sind vor allem in den Bundesstaaten Maranhão und Pará Flughunde ("Vampire"), aber auch Hunde, Katzen, Waldtiere und Fledermäuse. Für Rucksackreisende, Kinder, berufliche Risikogruppen und bei längeren Aufenthalten wird eine Impfung empfohlen. Bei Bisswunden so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Das Zika-Virus wird durch Stechmücken auf den Menschen übertragen. Zu den Symptomen gehören u.a. Fieber, Gelenkschmerzen und eine Bindehautentzündung. Häufig bleibt die Infektion unbemerkt oder verläuft nur mit milden Symptomen. Bisher dokumentierte, vereinzelte Todesfälle standen überwiegend mit anderen Vorerkrankungen in Zusammenhang. Das Auswärtige Amt rät Schwangeren von nicht zwingend notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab, weil das Virus bei Ungeborenen Mikrozephalie zu verursachen.
Es existiert weder eine Impfung noch eine medikamentöse Prophylaxe. Eine konsequente Einhaltung persönlicher Mückenschutzmaßnahmen wird empfohlen.
 
Wegen starker Strömungen und mancherorts gefährlichen Fischarten sollte man das Badeverbot (rote Flagge) und die Anweisungen der Ortskundigen beachten.

Pass- und Visabestimmungen

Notwendige Einreisedokumente

Titel Pass erforderlich Visum erforderlich Rückflugticket erforderlich
Türkei Ja Nein Ja
Andere EU-Länder Ja Nein Ja
Schweiz Ja Nein Ja
Österreich Ja Nein Ja
Deutschland Ja Nein Ja

Reisepassinformationen

Allgemein erforderlich, muss bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein.

Anmerkung zum Reisepass

Einreisekarten und Stempel werden am Flughafen verteilt.

Visainformationen

Allgemein erforderlich, ausgenommen sind Staatsbürger der folgenden, in der obigen Tabelle genannten Länder für touristische, Besuchs- und geschäftliche Aufenthalte von bis zu 90 Tagen während eines Sechs-Monats-Zeitraums:

(a) EU-Länder (Verlängerung des Aufenthalts nicht möglich außer für Staatsangehörige aus Portugal, Polen, Großbritannien und Irland (Rep.));

(b) Schweiz und

(c) Türkei (der Aufenthalt darf einmalig um weitere 90 Tage verlängert werden).

Anmerkung:
Geschäftsreisende sollten sich vor Antritt der Reise bei den zuständigen konsularischen Vertretungen (s. Kontaktadressen) erkundigen, ob sie für ihre Reise ein Visum benötigen. Techniker und Monteure benötigen in jedem Fall ein Visum.

Einreise mit Kindern

Deutsche: Maschinenlesbarer Kinderreisepass oder eigener Reisepass.

Österreicher: Eigener Reisepass.

Schweizer: Eigener Reisepass.

Türkei: Eigener Reisepass.

Anmerkung: Für die Kinder gelten jeweils die gleichen Visumbestimmungen wie für ihre Eltern.
Hinweis: Alle Minderjährigen mit brasilianischer Staatsangehörigkeit (auch Doppelstaatler) sowie alle Minderjährige, die ein Visum benötigen und die allein oder nur mit einem Elternteil einreisen oder in Begleitung Dritter reisen, müssen eine schriftliche Reisegenehmigung der Eltern bzw. des abwesenden Elternteils vorweisen können. Die Einverständniserklärung muss zur Beglaubigung entweder vor einem brasilianischen Konsularbeamten an einer brasilianischen Auslandsvertretung oder bei einem brasilianischen Notariat (Cartório) abgegebenen werden. Auch nicht-brasilianischen, alleinreisenden Minderjährigen, die kein Visum benötigen, wird empfohlen, eine Einverständniserklärung und die Ausweisdaten der Sorgeberechtigten mit sich zu führen. 

Seit dem 27. Juni 2012 benötigen Kinder für Reisen in das Ausland (auch innerhalb der EU) ein eigenes Reisedokument (Reisepass / Kinderreisepass). Eintragungen von Kindern in den elterlichen Reisepass sind nicht mehr möglich.

Einreise mit Haustieren

Vögel dürfen nicht nach Brasilien verbracht werden.
Für Hunde und Katzen wird ein internationales Gesundheitszeugnis aus dem Herkunftsland benötigt, das nicht mehr als 7 Tage alt ist und aus dem hervorgeht, dass das Tier in den 40 Tagen vor Abreise frei von ansteckenden Krankheiten war. Das Gesundheitszeugnis muss von einem brasilianischen Konsulat beglaubtigt worden sein.

Für Tiere, die älter als 3 Monate sind, wird zusätzlich ein Impfzertifikat gegen Tollwut verlangt, wenn die Tollwutimpfung nicht schon im Gesundheitszeugnis angegeben ist.

Weitere Informationen (z.B. ob ein Microchip erforderlich ist) sind von der zuständigen konsularischen Vertretung zu erfragen.

Bearbeitungsdauer

Je nach Staatsbürgerschaft unterschiedlich. Persönliche Antragstellung: In der Regel ca. 3 - 7 Tage, maximal 90 Tage. Postalisch: ca. 10 Tage. In Frankfurt: 2 Wochen.

Gültigkeit

Touristen-, Geschäftsvisum: bis zu 90 Tage. Einmalige Verlängerung für weitere 90 Tage kann vor Ort bei der brasilianischen Bundespolizei (Policia Federal) beantragt werden. Der Gesamtaufenthalt darf in einem Zeitraum von 12 Monaten 180 Tage nicht überschreiten. Alle Visa erlauben mehrfache Einreise während des Gültigkeitszeitraums. Touristen dürfen in Brasilien keine Arbeit aufnehmen.

Aufenthaltsverlängerung

Die Aufenthaltsberechtigung kann vor ihrem Ablauf bei der brasilianischen Bundespolizei um weitere 90 Tage verlängert werden. Dies gilt jedoch nicht für Arbeit-/Technikvisa.

Transit

Transitreisende, die innerhalb von 24 Stunden mit dem nächsten Anschluss weiterfliegen, nicht über Nacht bleiben und den Transitraum nicht verlassen, benötigen kein Transitvisum. Auch wenn unter den genannten Bedingungen ein Transit möglich ist, wird visumpflichtigen Staatsangehörigen empfohlen, vor der Reise ein Transitvisum zu beantragen, um mögliche Schwierigkeiten zu vermeiden.

Achtung: Transitvisafreiheit besteht nicht beim Transit
(a) zwischen dem São Paulo Vircopos Airport, dem Congonhas Airport und dem Guarulhas Airport,
(b) zwischen dem Rio de Janeiro Galeão Airport und dem Santos Dumont Airport,
(c) am Confis Airport in Belo Horizonte.

Visaarten und Kosten

u.a. Besuchs- und Touristenvisum, zeitlich begrenztes Visum, Transitvisum.

Kosten

Gebühren der Brasilianischen Botschaft in Berlin für visumpflichtige Nationalitäten: 

Business-, Touristen- und Transitvisum: 80 € (alle Nationalitäten bis auf Amerikaner),  160 € (Amerikaner);

 

Antrag erforderlich

Touristenvisum:
(a) Reisepass, der bei Einreise noch mindestens 6 Monate gültig ist.
(b) ausgedruckter Online-Antrag (scedv.serpro.gov.br/frscedv/index.jsp).
(c) Nachweis über ausreichende Geldmittel für die Dauer des Aufenthaltes (Gehaltsabrechnung und Arbeitsbescheinigung, bestätigter Kreditrahmen o. Ä.).
(d) 1 biometrisches Passfoto.
(e) Kopie des Hin- und Rückflugtickets oder Bescheinigung des Reisebüros über Reisedaten und erfolgte Bezahlung der Reise/des Flugtickets.
(f) Gebühr (Beleg über Überweisung; Bareinzahlung auf das Konto der Botschaft mindestens drei Tage vor Einreichung des Visumantrags; bei persönlicher Antragstellung per ec-Karte direkt im Konsulat).
(g) Ggf. internationales über Gelbfieber-Impfzeugnis oder ärztliches Attest (s. Gesundheit).
(h) Gültige Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland, Österreich oder die Schweiz.
(i) Österreich: Schreiben des Arbeitgebers, der Universität oder Schule.

(j) Frankierter Rückumschlag. 

Minderjährige:
(k) Beglaubigte Fotokopie der Geburtsurkunde in englischer, deutscher, französischer, portugiesischer oder spanischer Sprache bzw. beglaubigte Übersetzung in eine dieser Sprachen.

Geschäftsvisum zusätzlich:
(l) Firmenschreiben an das brasilianische Konsulat mit Angaben zu Name und Funktion des Angestellten, Dauer des Arbeitsverhältnisses, Besuchsgrund und –dauer, Angabe der auszuübenden Tätigkeit und der Adresse der Firma in Brasilien und Bestätigung der vollen finanziellen Verantwortlichkeit (Bei Beantragung in Frankfurt: Firmenschreiben auf Deutsch und auf Englisch; Versicherung, dass keine technische Tätigkeit ausgeführt werden soll.).
(m) Ein notariell beglaubigtes Einladungsschreiben im Original des Unternehmens in Brasilien auf Portugiesisch.
(n) Referenzschreiben der Bank, wenn der Geschäftsreisende selbstständig ist.
(o) Bei Beantragung in München: vom Bundeszentralregister beglaubigtes polizeiliches Führungszeugnis im Original (nicht älter als 3 Monate).
(p) Meldebescheinigung (nicht älter als 90 Tage).

Arbeits-/Technikvisum: Unabhängig von der geplanten Aufenthaltsdauer ist eine Kopie der internationalen Geburtsurkunde erforderlich. Bei einer geplanten Aufenthaltsdauer von bis zu 90 Tagen genügt eine Kopie des Einladungsschreibens. Es sollte von einem Notar beglaubigt worden sein. 

Geld

Geldwechsel

Fast alle Banken, Wechselstuben, Reisebüros und autorisierte Hotels wechseln Reiseschecks und ausländische Währungen. In den Großstädten gibt es Geldautomaten, an denen Bargeld in Landeswährung abgehoben werden kann. Vorsichtshalber sollte man jedoch bereits am Flughafen mit einer Kreditkarte Bargeld abheben oder Reiseschecks (s. Reiseschecks) mit sich führen.

Währung

1 Brasilianischer Real = 100 Centavos. Währungskürzel: R$, BRL (ISO-Code). Banknoten gibt es im Wert von 100, 50, 20, 10, 5, 2 und 1 BRL; Münzen in den Nennbeträgen 1 BRL und 50, 25, 10, 5 und 1 Centavos. Die Banknote 1 BRL wird nicht mehr gedruckt, ist aber weiterhin gültig. In manchen Geschäften wird sie jedoch nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert. 1 Centavo-Münzen sind kaum noch im Umlauf.

Devisenbestimmungen

Die Ein- und Ausfuhr der Landeswährung und von Fremdwährungen ist unbeschränkt; Deklarationspflicht für Beträge ab dem Gegenwert von 10.000 BRL.

Kreditkarten

Die meisten internationalen Kreditkarten werden in Brasilien überall akzeptiert. American Express, Mastercard, Diners Club und Visa werden weitgehend akzeptiert, Eurocard ist weniger gebräuchlich. Einzelheiten vom Aussteller der betreffenden Kreditkarte.
Hotels, Restaurants, Geschäfte, Reisebüros und Autoverleiher akzeptieren Kreditkarten.


 

Reiseschecks

Reiseschecks sollten in US-Dollar oder in Euro ausgestellt sein, werden aber immer weniger akzeptiert.

Öffnungszeiten der Bank

Mo-Fr 10.00-16.00 Uhr.

Zollfrei Einkaufen

Überblick

Die folgenden Artikel können zollfrei nach Brasilien eingeführt werden:
 
Einreise mit dem Flugzeug oder Schiff oder über Land:
10 Zigaretten-Schachteln à 20 Stück Zigaretten und 25 Zigarren/Zigarillos und
250 g Pfeifentabak (Personen ab 18 J.);
12 l alkoholische Getränke (Personen ab 18 J.);
Persönliche Gebrauchsgegenstände und Geschenke im Gegenwert von bis zu 500 US$ (bei Einreise mit dem Flugzeug) bzw. 300 US$ (bei Einreise über Land, See oder Fluss).
 
Achtung: Internationale Passagiere dürfen zusätzlich im Gegenwert von bis zu 500 US$ Waren einführen, die in Duty-Free-Shops in brasilianischen Flughäfen erworben wurden (Mengenbeschränkungen: 24 Alkoholeinheiten, vorbehaltlich der Höchstmenge von 12 Stück pro Art des Getränks; 20 Pakete von im Ausland hergestellten Zigaretten; 25 Stück Zigarren/Zigarillos; 250 g Tabak; 10 Stück Toilettenartikel; Max. 3 Uhren, Maschinen, Geräte, Spielzeug, Spiele oder elektrische Instrumente.).
 
 

Anmerkung: Außerhalb von Brasilien erworbene Mobiltelefone müssen beim Zoll angemeldet werden.

Verbotene Importe

Frische Lebensmittel, Fleisch- und Käseprodukte sowie andere von Tieren stammende Produkte, Obst, Gemüse, Pflanzen und Pflanzenteile, Tierfutter, landwirtschaftliche Produkte (Honig, Wachs, etc.), Drogen, exportierte brasilianische Alkoholika, lebende Vögel, Insekten und Schnecken, Impfserum, Viren, landwirtschaftliche Vernichtungsmittel etc.

Die Botschaft erteilt weitere Auskünfte (s.  Kontaktadressen).

Quellenangaben
  • Marco Polo - Brasilien, MAIRDUMONT GmbH & Co. KG, 2013-11
  • DuMont Die Welt - Atlas mit Länderlexikon, DuMont Reiseverlag, 2015-04
  • Brasilien - Reise- und Sicherheitshinweise, Auswärtiges Amt, Stand - 18.06.2018 (Unverändert gültig seit: 09.03.2018)
    Haftungsausschluss: Reise- und Sicherheitshinweise beruhen auf den zum angegebenen Zeitpunkt verfügbaren und als vertrauenswürdig eingeschätzten Informationen des Auswärtigen Amts. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie eine Haftung für eventuell eintretende Schäden kann nicht übernommen werden. Gefahrenlagen sind oft unübersichtlich und können sich rasch ändern. Die Entscheidung über die Durchführung einer Reise liegt allein in Ihrer Verantwortung. Hinweise auf besondere Rechtsvorschriften im Ausland betreffen immer nur wenige ausgewählte Fragen. Gesetzliche Vorschriften können sich zudem jederzeit ändern, ohne dass das Auswärtige Amt hiervon unterrichtet wird. Die Kontaktaufnahme mit der zuständigen diplomatischen oder konsularischen Vertretung des Ziellandes wird daher empfohlen.Das Auswärtige Amt rät dringend, die in den Reise- und Sicherheitshinweisen enthaltenen Empfehlungen zu beachten sowie einen entsprechenden Versicherungsschutz, z.B. einen Auslands-Krankenversicherungsschutz mit Rückholversicherung, abzuschließen. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass Ihnen Kosten für erforderlich werdende Hilfsmaßnahmen nach dem Konsulargesetz in Rechnung gestellt werden.
  • Der Reiseführer, Columbus Travel Media Ltd., Stand - 18.06.2018 (Unverändert gültig seit: 09.03.2018)
    Information: Einreisebestimmungen für deutsche, schweizerische und österreichische Staatsbürger werden mit freundlicher Genehmigung von Columbus Travel Media veröffentlicht. Alle Angaben ohne Gewähr.
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